In Gedenken an Burak – zu seinem 14. Todestag, am 12.04.2026

Redebeitrag der Burak-Ini

Wir sind heute hier, um Burak zu gedenken. Burak wurde ermordet. Der Gedanke, dass er noch leben würde, wenn er einen anderen Namen hätte als Burak, ist für seine Familie unerträglich. Am 5.April 2012 wurde Burak Bektaş, nur wenige Meter von hier, auf offener Straße erschossen. Er war 22 Jahre alt. Vier seiner Freunde überlebten den Anschlag, zwei von ihnen schwer verletzt. Die Behörden konnten alle möglichen Mordmotive ausschließen, bis auf eins: Mordmotiv Rassismus.

Wir stehen an eurer Seite, liebe Familie Bektaş und liebe Freund*innen von Burak. 
In eurer Trauer, in eurer Wut – und in eurer Suche nach Gerechtigkeit. Ihr seid nicht allein.

Der Mord an Burak geschah wenige Monate nach der Selbstenttarnung des NSU. Die Tat geschah aus dem Nichts und ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Tat erinnert an eine NSU-Nachahmungstat. Wir gehen davon aus: Das Mordmotiv war Rassismus. Die Tat selbst ist das Bekenntnis.
Wir sind Zeug*innen, wie seitens der Ermittlungsbehörden systematisch versucht wird, das Motiv Rassismus auszublenden. Bei Mord an einem migrantisch gelesenen Menschen muss von Rassismus als Mordmotiv ausgegangen werden, solange die Behörden das Gegenteil nicht beweisen können.

Wir erinnern: Burak war jung, gerade mal 22 Jahre alt, voller Leben, mit einem ansteckenden Lächeln. Er machte eine Ausbildung als Automobilkaufmann, liebte den Sport und war stolz auf sein Auto. Burak war seiner Familie sehr verbunden.
Burak wurde geliebt. Und er fehlt. Burak wird niemals vergessen und immer fehlen.
Burak, mit seiner roten Mütze und seinem ansteckenden Lächeln.

Seit 14 Jahren stellen wir dieselben Fragen: Wer hat Burak erschossen?
Wer ist der Täter? Warum gibt es bis heute keine Antworten? Statt Aufklärung erfahren wir Stück für Stück von Versäumnissen seitens der Ermittlungsbehörden.
Die Familie fordert Gewissheit. Die Familie fordert Gerechtigkeit. Wir, die Initiative fordern Gewissheit und Gerechtigkeit.
Der Täter muss zur Rechenschaft gezogen werden.
Solange der Täter nicht ermittelt ist, lebt er möglicherweise hier in der Nachbarschaft unbehelligt weiter. Er ist bewaffnet und eine Gefahr für Alle. Wir fordern Polizei und Staatsanwaltschaft auf, ihre Arbeit zu machen.

Am 20. September 2015 geschah ein weiterer Mord in Berlin Neukölln, der Mord an Luke Holland. Der Mörder wurde festgenommen und verurteilt. Es gibt viele Hinweise darauf, dass der Täter, ein Neonazi, auch der Mörder von Burak sein könnte. Das bedeutet: Wenn der Mord an Burak aufgeklärt worden wäre, hätte möglicherweise der Mord an Luke verhindert werden können. Davon waren Lukes Eltern überzeugt, das sagt Philip Holland, Lukes Vater, auch heute. Der Mörder Rolf Zielezinski wird bald aus dem Gefängnis entlassen. Wir wissen nicht wann, weil die Staatsanwaltschaft die Information bisher verweigert. Der Umgang der Ermittlungsbehörden ist verantwortungslos und wir müssen sagen skrupellos. Die Ungewissheit treibt die Familie Bektaş und die gesamte Community um.

Der Mord an Burak und der Mord an Luke stehen in einem Kontext. Rechter Terror hat in Deutschland eine lange Geschichte, so auch in Berlin. Viel zu oft werden Nazimorde verharmlost, nicht konsequent verfolgt oder gar gedeckt. Es lässt sich heute nicht mehr leugnen, dass hinter den NSU-Morden, den Bombenanschlägen und den anderen Verbrechen des NSU, ein Komplex steckt. Es wurde sichtbar, wie Staat und Nazis Hand in Hand gehen. 2012 wurde bekannt, dass das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz am Vernichten von Akten mit Bezug zum NSU-Komplex beteiligt war. Außerdem arbeitete das Berliner LKA mit mehreren Informanten zusammen, die aus dem Umfeld des NSU Informationen hatten, darunter mindestens einen Bezug zu Berlin Neukölln. Bundesweite Nazistrukturen reichen bis nach Neukölln. Seit Jahrzehnten existiert hier eine vernetzte und bewaffnete Neonaziszene, die migrantisierte, linke und antifaschistische Menschen angreifen, terrorisieren und bedrohen. Berliner Justiz, Polizei und Verfassungsschutz haben diese Taten immer wieder heruntergespielt und nicht ausreichend verfolgt. Die Morde an Burak und Luke sind Teil dieser Realität.

In Richtung eines rassistischen Motivs wurde beim Mord an Burak unzureichend ermittelt. So wurden bspw. keine bundesweiten Neonazinetzwerke in den Blick genommen und auch die Berliner und Neuköllner Neonaziszene wurde durch absurde Kriterien so eingegrenzt, dass am Ende nichts übrigbleibt, was von Belang sein könnte. Der Mord an Luke Holland wurde als ein Mord ohne Motiv definiert, nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Polizei wollte kein Motiv ermitteln. Das Gericht wollte kein rassistisches Mordmotiv feststellen. Die Existenz von Rassismus wird in Deutschland allzu gerne negiert.
Bei Rassismus, Rechtem Terror und Nazimorden herrscht in viel zu vielen Fällen Straflosigkeit. Es gibt keine angemessenen Konsequenzen für Täter*innen. Es gibt auch keine angemessenen Konsequenzen für verschleppte Ermittlungen.
„Es ist ihnen egal, ob es einen Ausländer mehr oder weniger gibt.“ Das war Melek Bektaş‘ Zusammenfassung, nachdem sie die Aussage des zuständigen Staatsanwalts im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit anhören musste.

Dass es einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex gibt, ist auf den Druck aktiver und betroffener Personen und Gruppen in Neukölln zurückzuführen. Angemessen wäre, wenn sich die Ermittlungsbehörden hinterfragten. Geht es nach den Behörden, so haben sie alles richtig gemacht. Auch dafür drohen ihnen keine Konsequenzen. Wir treffen auf eine Mauer – Polizei und Staatsanwaltschaft sind nicht willens, gegen extrem rechte, rassistische Straftäter zu ermitteln. Das hat System und stellt eine Gefahr dar.
Und deswegen reden wir von institutionalisiertem Rassismus. Es geht um strukturelles Versagen. Ein Versagen, das Menschen aus dem Leben reißt und unendliches Leid über die Überlebenden und die Hinterbliebenen bringt.
Deswegen sind wir heute hier und rufen: Schluss mit der Straflosigkeit!
Wir fordern von den Behörden: Findet den Mörder!

Melek Bektaş, die Mutter von Burak, sagte am 11. März 2024 bei der bundesweiten Pressekonferenz des Solidaritäts-Netzwerks von Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden rechter, rassistischer, antisemitischer und antimuslimischer Morde und Gewalt aus ganz Deutschland:
„Ich will von den verantwortlichen Behörden den Mörder meines Sohnes. Das ist das Einzige, was ich zu sagen habe.“

Kein Vergeben, Kein Vergessen – Hiç unutmadık, hiç unutmayacağız!

20. Todestag von Mehmet Kubaşık

Liebe Familie Kubaşık,
liebes Bündnis „Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich“ Dortmund,
liebe Antirassist*innen, wir grüßen euch als Burak Bektaş Initiative Berlin. Wir sind traurig, heute nicht bei euch sein zu können. In Gedanken und mit unseren Herzen sind wir bei euch.

20 Jahre! Kein Vergeben!
20 Jahre! Kein Vergessen!
Kein Schlussstrich!

Dass ihr heute wieder am Tatort steht, erinnert an einen Mord, der Grund für unendlichen Schmerz, Trauer und Wut ist. Mehmet Kubaşık wurde heute vor 20 Jahren vom NSU ermordet.
20 Jahre sind seit diesem menschenverachtenden Verbrechen vergangen. Doch viele der Täter:innen und Verantwortlichen wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
Viele Jahre, bis zur Selbstenttarnung des NSU, wurden die Familie und Freund*innen von Mehmet Kubaşık verhöhnt, isoliert und aus ihrem sozialen Umfeld ausgegrenzt. Seit 20 Jahren gibt es keine vollständige Aufklärung.
Diese Gedenkveranstaltungen im April sind nicht nur für Mehmet Kubaşık, sondern für all die Menschen, die in diesem Land im öffentlichen Raum, durch den NSU sowie durch rassistische, faschistische, antisemitische und antimuslimische Gewalt ihr Leben verloren haben.
Der Mord an Mehmet Kubaşık ist kein Einzelfall. Seine Mörder sind keine Einzeltäter.
Das hat System! Die Liste der Opfer von Faschist*innen, Neonazis und Polizeigewalt ist in den vergangenen Jahren immer länger geworden und die Täter in der Polizei werden trotz erdrückender Beweise immer wieder freigesprochen.
Ein aktuelles Beispiel ist der Freispruch von fünf Polizist*innen im Dezember 2024 im Fall Mouhamed Lamine Dramé. Mouhamed war 16 Jahre alt, aus dem Senegal geflüchtet und befand sich in einer psychischen Krise. Er bedrohte niemanden. Er saß in einer Ecke im Hof seiner Jugendeinrichtung in Dortmund. Dort wurde er am 8. August 2022 von einem Polizisten mit sechs Schüssen regelrecht hingerichtet.

Jede und jeder Einzelne wird nicht vergessen!
Kein Vergeben!
Kein Vergessen!
Kein Schlussstrich!

++++

Sevgili Kubaşık ailesi,
Sevgili “Dayanışma Günü – Daha son söz söylenmedi!” Dortmund İnisiyatifi,
Sevgili ırkçılığa karşı olan insanlar,
Sizleri Burak Bektaş İnisiyatifi Berlin olarak selamlıyoruz. Bugün aranızda olamadığımız için üzgünüz. Düşüncelerimizle ve kalplerimizle sizinleyiz.
20 yıl! Affetmek yok!
20 yıl! Unutmak yok!
Daha son söz söylenmedi!
Bugün yeniden olay yerinde olmanız, sonsuz acıya, yasa ve öfkeye neden olan bir cinayeti hatırlatıyor. Mehmet Kubaşık bundan 20 yıl önce bugün NSU tarafından katledildi.
Bu insanlık dışı suçun üzerinden 20 yıl geçti.
Ancak faillerin ve sorumluların birçoğu hâlâ hesap vermedi.
NSU’nun kendini açığa çıkarmasına kadar geçen uzun yıllar boyunca Mehmet Kubaşık’ın ailesi ve arkadaşları aşağılandı, yalnızlaştırıldı ve sosyal çevrelerinden dışlandı. 20 yıldır hâlâ tam bir aydınlatma yok.
Nisan ayındaki bu anma etkinlikleri sadece Mehmet Kubaşık için değil; bu ülkede kamusal alanda, NSU tarafından ya da ırkçı, faşist, antisemitik ve İslam karşıtı şiddet sonucu hayatını kaybeden tüm insanlar içindir.
Mehmet Kubaşık’ın katledilmesi bireysel bir olay değildir. Katilleri münferit kişiler değildir.
Bu bir sistemdir!
Faşistler, neonaziler ve polis şiddeti mağdurlarının listesi son yıllarda giderek uzadı.
Ve polis içindeki failler, ezici kanıtlara rağmen defalarca beraat ettirildi.
Bunun güncel bir örneği, Aralık 2024’te Mouhamed Lamine Dramé davasında beş polisin beraat etmesidir.
Mouhamed 16 yaşındaydı, Senegal’den sığınmacıydı ve psikolojik bir kriz içindeydi. Kimseyi tehdit etmiyordu. Dortmund’da kaldığı gençlik kurumunun avlusunda bir köşede oturuyordu.
Orada 8 Ağustos 2022’de bir polis tarafından altı kurşunla adeta infaz edildi.
Hiç kimse unutulmayacak!
Affetmek yok!
Unutmak yok!
Daha son söz söylenmedi!

++++
Mehr Informationen: Tag der Solidarität Dortmund

4.4.2026 Remembering Luke Holland on Lukes 42nd Birthday

Message from Philip Holland, father of Luke Holland, on Lukes 42nd Birthday:

„Thank you all for remembering Luke, and coming together, on what should have been Luke’s 42nd birthday.
Even after 10 years, the grief and sadness I feel gets heavier, as I miss Luke and Rita so, so much.
The anger I feel, that Luke’s murderer will be released from prison in 18 months, never goes away.
I can only hope that Zielezinski, on release, is investigated for Burak’s murder, and finally brought to justice.“

Philip Holland

Luke Holland was murdered by a Neonazi in Berlin, he was only 31 years old. He was shot dead outside a pub in Berlin-Neukölln on 20th September 2015.
Luke’s mother, Rita Holland, took her own life on October 21, 2019. She could no longer bear the pain.
We will lay some flowers for Luke on his 42nd Birthday Saturday, 4th April 2026 at 6 p.m.
Luke Holland Memorial Site, Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)

***

In Erinnerung an Luke Holland

Nachricht von Philip Holland, Lukes Vater, zu dessen 42. Geburtstag:

„Ich danke euch allen, dass ihr an Luke denkt und an diesem Tag zusammenkommt, der Lukes 42. Geburtstag hätte sein sollen.
Selbst nach 10 Jahren werden die Trauer und die Traurigkeit, die ich empfinde, immer größer,
da ich Luke und Rita so, so sehr vermisse.
Die Wut, die ich empfinde, weil Lukes Mörder in 18 Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird, lässt mich nicht los.
Ich kann nur hoffen, dass gegen Zielezinski nach seiner Entlassung wegen des Mordes an Burak ermittelt wird und er endlich vor Gericht gestellt wird.

Philip Holland

Luke Holland wurde in Berlin von einem Neonazi ermordet, er war erst 31 Jahre alt. Er wurde am 20. September 2015 vor einer Kneipe in Berlin-Neukölln erschossen.
Lukes Mutter, Rita Holland, nahm sich am 21. Oktober 2019 das Leben. Sie konnte den Schmerz über den Verlust ihres Sohnes nicht mehr ertragen.
Wir werden an Lukes 42. Geburtstag Blumen für ihn niederlegen.
Samstag, 4. April 2026, um 18 Uhr
Luke-Holland-Gedenkort, Ringbahnstraße /Ecke Walterstraße (S-Bahnhof Neukölln)

***

Luke Holland’ın Anısına

Luke’un babası Philip Holland’ın, oğlu Luke’un 42. doğum günü vesilesiyle yazdığı mesaj:

“Luke’u hatırladığınız ve bugün bir araya geldiğiniz için hepinize teşekkür ederim;
bugün, Luke’un aslında 42. doğum gününü kutlayacağı gündü.
10 yıl geçmesine rağmen, Luke ve Rita’yı çok özlediğim için hissettiğim keder ve hüzün giderek daha da ağırlaşıyor.
Luke’un katilinin 18 ay sonra hapisten çıkacak olması nedeniyle hissettiğim öfke beni hiç rahat bırakmıyor.
Sadece Zielezinski’nin tahliye edildikten sonra Burak cinayeti nedeniyle soruşturulmasını ve nihayet mahkemeye çıkarılmasını umut edebilirim.”

Philip Holland

Luke Holland, Berlin’de bir neonazi tarafından öldürüldü, henüz 31 yaşındaydı. 20 Eylül 2015’te Berlin-Neukölln’deki bir barın önünde vurularak öldürüldü.
Luke’un annesi Rita Holland, 21 Ekim 2019’da hayattan ayrıldı. Acıya daha fazla dayanamadı.
Luke’un 42. doğum gününde katledildiği yere onun için çiçekler bırakacağız
4 Nisan 2026 Cumartesi, saat 18:00
Luke Holland Anıtı, Ringbahnstraße/ Walterstraße köşesi (Neukölln S-Bahn istasyonu)

Sicherheit statt Polizei – Haushaltspolitik neu denken

Wenn von Sicherheitspolitik die Rede ist, geht es meist um Polizei, Strafgesetze und Überwachung. Politisch scheint der Kurs seit Jahren klar: mehr Polizei, mehr Kameras – und gleichzeitig weniger Mittel für Gesundheit, Kultur und Soziales. Doch wie lässt sich dieser Entwicklung etwas entgegensetzen? Und wessen Sicherheit steht dabei eigentlich im Mittelpunkt – und wessen nicht?

Hierzu wird am 10. April in Köln eine Veranstaltung statt finden, wir hoffen es wird auch bald eine Veranstaltung in Berlin geben.

Unsere Beobachtungen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex decken sich mit dem, was in der Broschüre von Justice Collective Berlin steht. Diese Polizei hilft nicht, sie ist eher eine Gefahr! Deshalb fordern wir weniger Geld für die Polizei also Defund the Police!
Bild von Justice Collective Berlin übernommen

Zur sehr lesenswerten Broschüre (Broschüren-Coverlink) vom Justice Collective Berlin.

Zur Veranstaltungsankündigung in Köln am 10. April vom Komitee für Grundrechte und Demokratie – link.

Aber die CDU/SPD-Koalition in Berlin macht genau das Gegenteil: mehr Geld für Polizei und Überwachung. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex wurde nicht mal abgewartet und das ASOG, also das allgemeine Sicherheits und Ordnungsgesetz, dass die Befugnisse der Polizei regelt, wurde erweitert – Pressemitteilung vom 2.12.2025.

Obendrein wurde im März durch den Chaos Computer Club bekannt, dass in Berlin fast 4 Millionen Euro für KI-Kameras verschwendet werden sollen. Zur Pressemitteilung Automatisierte Verhaltensüberwachung: Gefährlichen Mumpitz einstellen vom CCC am 6. März 2026.

Vom Zaun um den Görli ganz zu schweigen… Görli zaunfrei!

Wer hat Burak ermordet – Schluss mit der Straflosigkeit – Gedenkkundgebung zum 14. Todestag am 12.04.2026

Sonntag 12. April 2026 – 14 Uhr
Gedenkort Burak Bektaş – Rudower Straße / Möwenweg – Berlin-Neukölln

Burak Bektaş wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 in Berlin vor dem Krankenhaus Neukölln erschossen. Er war 22 Jahre alt. 4 seiner Freunde haben den Mordversuch überlebt, 2 von ihnen wurden lebensgefährlich verletzt. Die Tat ähnelt den Morden des Neonazi-Netzwerks NSU. War das Motiv auch bei diesem Mord Rassismus?

Der Mord an Burak und die vier Mordversuche sind bis heute nicht aufgeklärt. Der Mörder wurde nicht ermittelt.
Seit Jahrzehnten werden migrantisierte, linke und antifaschistische Menschen in Neukölln nicht nur ungehindert angegriffen, sondern die Täter können sich offenbar auch auf Schutz, Duldung oder zumindest auf Wegsehen verlassen.

Es wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss erkämpft, der untersuchen sollte, weshalb die Ermittlungsbehörden die Terrorserie des Neukölln-Komplexes nicht aufgeklärt haben.

Der Mord an Burak geschah ein halbes Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU. Die Ermittlungsbehörden haben an ihrer Arbeitsweise dennoch nichts geändert und leugnen die Existenz und Wirkung von Rassismus. Fehlende
Ermittlung bedeutet Straflosigkeit. Rechte Gewalttäter, Nazis können weiterhin ungehindert Terror verbreiten.

„Ich will Gerechtigkeit. Mein Sohn ist gestorben und der Täter soll seine Strafe bekommen.“ Melek Bektaş

Kein Vergessen! Kein Vergeben!
Kein Schlussstrich!

Stellungnahme der Burak-Ini zum „Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt“ am 11. März

Stellungnahme zum 11. März 2026:
Respekt ist Institutionelle Verantwortungsübernahme – Mit Fokus Perspektive der Betroffenen.

Die Gedenkkultur an die Opfer rassistischer/rechter und antisemitischer Morde und der Betroffenen von dieser Gewalt, gerät immer mal wieder ins Wanken. Da die Balance zu halten aus der Perspektive von Angehörigen der Opfer und von Betroffenen von Gewalt, gebührt hoher Anerkennung. Am Mittwoch, dem 11. März 2026, wird zum fünften Mal der „Nationale Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt“ begangen. Hier heißt es laut Bundesregierung, soll unter anderem „die Situation der Betroffenen terroristischer und extremistischer Gewalttaten stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt werden.“ (1) Die im Vorfeld dieser Gedenkfeierlichkeiten Geschehenen sind jedoch ein Spiegel der gesellschaftlichen Diskurse und damit der Verhältnisse.

„Stilles“ Gedenken?

Der 6. Jahrestag in Gedenken des rassistischen Anschlags in Hanau am 19. Februar 2020 ist eine Reflektion hiervon. Die Stadt Hanau hat in diesem Jahr keine zentrale offizielle Gedenkveranstaltung vorgesehen, stattdessen ein öffentliches stilles Gedenken an den Tatorten durchgeführt. (2) Warum? Weil Angehörige 2025 die Stadt für die deutlichen Versäumnisse beim Anschlag und dessen Aufarbeitung kritisierten. Dabei hatte ein Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag aufgezeigt, „dass es rund um den Anschlag Versäumnisse und Pannen gegeben“ hat. Eine der Familien ist bereits vor das Verfassungsgericht in Karlsruhe gezogen.“ (3) Konsequenzen gibt es bis heute nicht. Dass Hinterbliebene des Anschlags enttäuscht sind, ist nur allzu nachvollziehbar. Nicht so für die Rathauskoalition von Hanau aus FDP, CDU und SPD, „Derlei Gedenkveranstaltungen“ solle es nicht mehr geben“ – zumindest vorerst nicht. Was sich widerspiegelt ist: Kritik ist unerwünscht. Die Betroffenen sollten „dankbar sein“. Dankbar sein wofür? Adressiert werden Einzelne, doch gemeint sind alle, Betroffene mögen bitte „ihren Hass überwinden“. Das ist Täter-Opfer-Umkehr: Nicht die Rassisten, die Nazis, die sich von der Mehrheitsgesellschaft ermutigt fühlen, hassen, sondern die trauernden, verzweifelten Angehörigen, die es wagen, ihren Schmerz wütend und mutig zu äußern. Das ist eine Haltung, die Rassismus in Staat und Gesellschaft ausblendet und reproduziert.

Worum geht es?

Tatsächlich hatte als Beispiel eine Opferangehörige in ihrer Rede 2025 erklärt, dass „die Stadt Hanau die Verantwortung für den 19. Februar 2020“ trage und „schuldig“ sei. Der Täter habe vor seiner Tat Briefe geschrieben, die ignoriert worden seien. Zudem sei gegen die verschlossene Notausgangstür am Tatort nichts unternommen worden. „Die Fehler, Versäumnisse und Fahrlässigkeit der Stadt Hanau haben neun jungen Menschen das Leben gekostet“, und es wurde eine Verantwortungsübernahme dafür gefordert. „Hätte die Stadt ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt, wären diese Kinder heute am Leben.“ Recht hat sie. Die Unstimmigkeiten um das Gedenken in Hanau bekräftigen den Eindruck „Die Stadt will das Gedenken an den 19. Februar 2020 loswerden.“ (4) Betroffene sollen nur so wenig gehört und gesehen werden, wie es sich nach Ansicht der Stadt Hanau schickt. Betroffenen wird vermittelt, dass sie und Ihre Trauer eine Zumutung sind, die Botschaft dahinter: Seid still!

Eine weitere Reflektion ist das Gedenken des rassistischen Brandanschlags von Mölln 1992. Beim Gedenken in Mölln im November 2025 wurde ein Angehöriger für den Film „Die Möllner Briefe“, der im Rahmen der Berlinale preisgekrönt wurde, angegriffen, er sei „undankbar“ und würde „die Stadt schlecht dastehen lassen“. Der Film „Das Deutsche Volk“ erzählt die Geschichte des rassistischen Anschlags in Hanau im Februar 2020 aus der Perspektive der Hinterbliebenen und Überlebenden und war ebenfalls im Rahmen der Berlinale von bundesweitem Interesse. Das passt nicht in ein Konzept, dass das Gedenken silencen will.

Um wen geht es hier?

Wenn die Trauer der Betroffenen zum Widerstand wird, wird es für die Offiziellen und staatlichen Akteure untragbar. Dann heißt es, „kein offizielles Gedenken, sondern „stilles“ Gedenken“, „dezentrales“ Gedenken. Es geht um die Angehörigen von Opfern rassistischer und rechter Gewalt und Betroffene von Gewalt. Es geht um ihren Verlust und ihren Kampf für Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen, die die Behörden ihnen nicht geben. Es geht nicht um SIE, sondern es geht um die Angehörigen der Opfer und die Betroffenen. Der Vater eines der Ermordeten kritisiert die kommunale Koalition, anstatt die Verantwortung für ihr Versagen zu übernehmen, werde eine „Gegenoffensive“ gestartet. Es geht um Forderungen von Angehörigen und Betroffenen rechter/rassistischer und antisemitischer Gewalt, um Ihre Perspektive in den Fokus zu rücken. Es geht um institutionelle Verantwortungsübernahme für zum Beispiel geschredderte Akten, um Verschleierung von Verstrickungen von Nazis und Polizeistrukturen, wie bei den NSU-Morden oder den Morden in Hanau, oder auch um Verschleppung von Ermittlungsarbeit, wie bei dem Mord an Burak Bektaş in Berlin.

Von Respekt sprechen

Aufgabe von Staat und Politik ist institutionelle Verantwortungsübernahme, Aufklärung und Gerechtigkeit. Hierzu gehört die Anerkennung von Opfern rechter/rassistischer antisemitischer und antimuslimischer Gewalt. Hierzu gehört Aufklärung. Da läuft ein Zweiter NSU-Prozess in Dresden “ordnungshalber“, ohne dass Nebenkläger*innen zugelassen sind. Es geht um Gerechtigkeit. Noch immer sind wenige der Opfer und Betroffenen anerkannt. Ihre Einladungspolitik für den „Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt“ spiegelt all dies wider. Einige Opferangehörige und Betroffene sind eingeladen, während andere nicht anerkannt und nicht eingeladen sind. Zuallererst geht es um Empathie mit Opferangehörigen und Betroffenen und ihre Perspektiven. Das ist der Respekt, von dem wir sprechen. Anerkennung, Solidarität und Konsequenzen!

(1) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gedenken-an-die-opfer-terroristischer-gewalt-2409086
(2) https://taz.de/Konflikt-um-Hanau-Gedenken-Wer-ist-hier-undankbar/!6150955/
(3) https://www.hessenschau.de/gesellschaft/jahrestag-in-hanau-die-trauer-um-die-toten-des-anschlags-laesst-nicht-nach-v1,hanau-sechs-jahre-vorab-100.html
(4) https://www.nd-aktuell.de/artikel/1197720.anschlag-von-hanau-die-stadt-will-das-gedenken-an-den-februar-loswerden.html

Veranstaltungs-Mitschnitt vom 09.02.2026: PUA Neukölln Komplex – Ohne Uns Läuft Nix

Mit
– Claudia v. Gélieu (als Aktivistin war sie Ziel der Neonazi- Anschlagserie)
– Caro Keller von NSU-Watch
– Vertreter*in der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş
– André Schulze (Grüne) Ausschuss-Mitglieder
– Niklas Schrader (Linke) Ausschuss-Mitglieder

Veranstalter: Bündnis Neukölln: Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt

Der Veranstaltungsmittschnitt im Einzelnen:

0:00 – 9:40 min Einleitung – Bündnis Neukölln

Einschätzung zum PUA Neukölln-Komplex
9:45 – 24:45 min Claudia v. Gélieu (als Aktivistin war sie Ziel der Neonazi- Anschlagserie)
25:00 – 42:25 min Vertreter*in der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş
42:40 – 54:00 min André Schulze (Grüne) Ausschuss-Mitglieder
55:00 – 1:01:00 min Niklas Schrader (Linke) Ausschuss-Mitglieder
1:01:10 – 1:09:40 min Caro Keller von NSU-Watch

Der Abschlußberichte
1:09:45 – 1:12:00 min Caro Keller von NSU-Watch
1:15:30 – 1:17:15 min Niklas Schrader (Linke) Ausschuss-Mitglieder

Was können wir tun / Was müßte passieren ?
1:18:45 – 1:23:45 min André Schulze (Grüne) Ausschuss-Mitglieder
1:23:45 – 1:26:00 min Vertreter*in der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş
1:26:15 – 1:31:00 min Claudia v. Gélieu (als Aktivistin war sie Ziel der Neonazi- Anschlagserie)
1:31:15 – 1:32:10 min Caro Keller von NSU-Watch
1:32:10 – 1:33:15 min Niklas Schrader (Linke) Ausschuss-Mitglieder

Link zum Audiomitschnitt archive.org / mp3
(1 Stunde und 37 Minuten)

Montag | 9. Februar 2026 | 19 Uhr
Bürgerzentrum Neukölln | Werbellinstr. 42 | 12053 Berlin
Der Neukölln-Komplex – Ohne uns läuft nix
Was kommt raus beim parlamentarischen Untersuchungsausschuss?

Jahrelang bemühten sich Betroffene und antifaschistische Initiativen um einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum sogenannten Neukölln-Komplex. Dabei geht es um schwerste neonazistische Straftaten, Bedrohungen und Angriffe bis hin zu 23 schweren, zum Teil lebensgefährdenden Brandanschlägen gegen Menschen, die sich gegen Rassismus und Faschismus engagieren. Die Serie gipfelte in den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland.

Trotz Hinweisen auf bekannte Neonazis wurde die Serie weitestgehend nicht aufgeklärt. Vielmehr fielen Beamt*innen von Polizei und Staatsanwaltschaft durch rassistische Taten oder Aussagen auf, gaben Daten an Neonazis weiter oder hielten Informationen über akute rechte Bedrohungen zurück.

Es waren Betroffene der Anschläge und Engagierte, die die Aufarbeitung maßgeblich vorantrieben.

Erst nach jahrelangem, öffentlichen Druck wurde im Mai 2022 der PUA eingesetzt.

Dieser sollte das Behördenversagen bei der faschistischen Anschlagsserie aufklären und Gegenstrategien entwickeln.

Im Juli 2025 beendete der PUA seine Beweisaufnahme und berät seither über seinen Abschlussbericht, dessen Veröffentlichung immer weiter nach hinten geschoben wird.

Was ist der aktuelle Stand? Wie geht’s weiter?

Was ist zu erwarten vom Abschlussbericht? Was wird drinstehen?

Wie ist die Sicht der Betroffenen, der Beoachter*innen des Ausschuss und der Abgeordneten?

Welche Forderungen gibt es?

Ändert sich etwas? Wird es politische Konsequenzen geben?

Was ist zu tun?

Gedenken 6 Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau

Anlässlich des 6. Jahrestags des rassistischen Anschlags in Hanau laden wir zu einer Mahnwache ein.
Die Zeit der Reden ist vorbei.
Sechs Jahre nach Hanau fordern Angehörige und Überlebende noch immer Gerechtigkeit, vollständige Aufklärung und echte Konsequenzen.
Hanau war kein Einzelfall.
Rechter Terror hat Geschichte – und Gegenwart.

Kein Vergeben. Kein Vergessen.

Kommt zahlreich.
🕯️💐 Bringt bitte Kerzen und Blumen mit

@oplatz4hanau