Grußbotschaft der Soligruppe Efe 09 Kassel zum 14. Todestag von Burak

Liebe Familie Bektaş, liebe Freundinnen und Freunde von Burak, liebe Mitglieder der Initiative,
unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei euch, 14 Jahre nach dem Mord an Burak gedenken wir heute mit euch. Ihr selbst fragt in eurem Aufruf zur Gedenkkundgebung: Wer hat Burak Bektaş ermordet? Dass diese zentrale Frage bis heute nicht aufgeklärt ist, stellt einen unfassbaren Skandal dar und wir verstehen, dass diese Unwissenheit, die vielen weiteren offenen Fragen und Unsicherheiten den Schmerz über den Verlust von Burak niemals lindern können und alles noch viel schlimmer machen. Was es bedeutet, dass der Täter nicht bekannt ist, wissen wir in Kassel nur allzugut. 14 Jahre lang kämpft ihr nun bereits für die Antworten und ein würdiges Erinnern. Dass ihr bis hierhin durchgehalten habt ist unglaublich beeindruckend. Wir wünschen euch in diesen besonders schmerzvollen Tagen viel Kraft und hoffen, dass ihr es trotz all der Widerstände schafft, weiter zu kämpfen. Wir können leider am 04. April sowie am 12. April nicht bei euch sein. Aber in Gedanken stehen wir an eurer Seite, teilen eure Trauer, eure Wut und eure Forderungen und hoffen sehr, dass möglichst bald endlich die Antworten gefunden werden können.
Solidarische Grüße aus Kassel,
Soligruppe B. Efe 09

Grußbotschaft der Soligruppe 9. Oktober zum 14. Todestag von Burak

Dear Initiative for the clarification of the murder of Burak Bektaş, dear family and friends of Burak, dear Melek,

As we mark another year without Burak, we send you our hearts, our open arms, and our commitment. Commitment to you and to Burak, that we will continue to stand with you, that we will continue to fight for justice, clarification, and a better future. For Burak and for all of us.
These past years you have taught us how to raise our voices, even in the times it is most hard, so that no others will experience what we did, so that future generations will live in peace and hope without fear. We believe that one day this is possible. And we believe that we will see that day with you, together.
Dear Bektaş family, thank you for sharing Burak with us, his kindness, his humor, his friendship, and his love. Thank you for standing with us these many years. We are committed to you, in our hearts and in our actions.
And we stand with you always, in mourning and solidarity.  

Talya and the Soligruppe 09. Oktober Halle

Liebe Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, liebe Familie und Freunde von Burak, liebe Melek,

während wir ein weiteres Jahr ohne Burak begehen, senden wir euch unsere Herzen, unsere offenen Arme und unser Engagement. Unser Engagement für euch und für Burak, dass wir weiterhin an eurer Seite stehen werden, dass wir weiterhin für Gerechtigkeit, Aufklärung und eine bessere Zukunft kämpfen werden. Für Burak und für uns alle.
In den vergangenen Jahren habt ihr uns gelehrt, unsere Stimmen zu erheben, selbst in den schwersten Zeiten, damit niemand anderes das erleben muss, was wir erlebt haben, damit künftige Generationen in Frieden und Hoffnung ohne Angst leben können. Wir glauben, dass dies eines Tages möglich sein wird. Und wir glauben, dass wir diesen Tag gemeinsam mit euch erleben werden.
Liebe Familie Bektaş, danke, dass ihr Burak mit uns geteilt habt, seine Freundlichkeit, seinen Humor, seine Freundschaft und seine Liebe. Danke, dass ihr all die Jahre an unserer Seite gestanden habt. Wir sind für euch da, in unseren Herzen und in unserem Handeln.
Und wir stehen euch immer zur Seite, in Trauer und Solidarität.  

Talya und die Soligruppe 09. Oktober Halle

Gedicht einer Schülerin der Clay Oberschule zum Gedenken an Burak

„Ruf nach Gerechtigkeit“

Ruf nach Gerechtigkeit
Burak
viele Fragen
doch Antworten fehlen
du bleibst in Erinnerung
Hoffnung
Burak
In Gedanken
Zu früh gegangen
Unfair Unaufgeklärt Unrecht Unvergänglich
Warum
Burak
Im Herzen
Ruf nach Gerechtigkeit
Unsere Stimmen sind laut
Unvergessen

vorgetragen von Melina.

Im Rahmen eines Schulprojektes an der Clay-Oberschule haben sich Schüler*innen mit Buraks Leben und Tod auseinandergesetzt und Gedichte verfasst. Im Laufe das Jahres werden die insgesamt 18 Gedichte auch als Buch im Selbstverlag erscheinen.

Wir danken allen, die daran mitgewirkt haben! Und unser Dank geht auch an Şeyda, die mit den Schüler*innen Melina, Arina, Amani, Leila und Mahmut heute gemeinsam an der Gedenkkundgebung teilgenommen und einige Gedichte vorgetragen haben.

Redebeitrag zum PUA anlässlich des 14. Todestag von Burak

Burak-Ini (Teil 2) zum PUA:

Schluss mit der Straflosigkeit
Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Neukölln Komplex (PUA) wird den Abschlussbericht voraussichtlich Ende April fertigstellen.
Aufgabe des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses war es, die Ermittlungstätigkeiten der zuständigen Behörden zu den extrem rechten Straftaten in Neukölln von 2009 bis 2021 zu beleuchten. Es sollte geklärt werden, warum diese nicht dazu führten, dass Täter überführt, verurteilt und die Taten aufgeklärt wurden.
Das betraf auch den unaufgeklärten Mord an Burak Bektaş und Mordversuch an seinen Freunden und den Mord an Luke Holland in Bezug auf das offiziell nicht ermittelte Tatmotiv. In diesem Zusammenhang taucht auch die Frage auf, ob der Mörder von Luke auch der Mörder von Burak war.
Die im Ausschuss vernommenen Zeug:innen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz verhinderten diese Aufklärung so gut sie konnten mit unterschiedlichsten Verweigerungstaktiken. Dabei schienen sie umso dreister, arroganter und gelassener, je höher in der Diensthierarchie sie standen. Sie wissen, dass sie von einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss nichts zu befürchten haben.
Es wurden Akten geschwärzt, als geheim eingestuft und nicht herausgegeben, Kommunikation verweigert. Der Berliner Innen- und auch der Justizsenat legten den Rahmen fest. Auch die immer gleiche Anwältin, die während der Anhörungen neben vielen Polizeizeug:innen saß und immer wieder die Aussagen ihrer Mandant:innen unterbrach und auf die angeblich nicht vorliegende Aussagegenehmigung verwies, trug zur Verweigerung von Informationen bei. So bestimmten diejenigen, die im Untersuchungsausschuss untersucht werden sollten, den Spielraum desselben.
Die Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, insbesondere von CDU und SPD, wurden ihrer Rolle, die Zeug:innen so effektiv und konsequent wie möglich zu befragen, und Strategien gegen diese ja zu erwartenden Verweigerungstaktiken einzusetzen und Druck aufzubauen, nicht gerecht. Es war sehr offensichtlich, dass die Regierungsparteien das auch nicht vorhatten.
Dass aufgrund der formalen Regeln auch die AfD im Ausschuss vertreten war, stellte grundsätzlich ein riesiges Problem dar. Sie haben jetzt Zugang zu allen Informationen, allen Namen und allen Akten.
Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex ist seiner Rolle als „Demokratisches Kontrollinstrument“ nicht gerecht geworden. Es ist zu befürchten, dass sich Polizei, Staatsanwaltschaft, Verfassungsschutz, Innen- und Justizsenat – und die politisch Verantwortlichen – durch den für sie weitestgehend schadlos abgelaufenen Untersuchungsausschuss in ihrer Haltung und Praxis gestärkt sehen. Extrem rechte Verbrechen nicht konsequent aufzuklären, und niemandem dafür Rechenschaft schuldig zu sein, bleibt in Berlin gängige Praxis. Die Straflosigkeit für extrem rechte Täter:innen bestärkt diese in ihrem Handeln. Sie verhöhnt die Betroffenen und Opfer.
Trotz alledem wissen wir durch den PUA, bei dem ja auch Betroffene, deren Anwälte und Sachverständige von antifaschistischen Organisationen gehört wurden, mehr Konkretes über die Nicht-Aufklärung von extrem rechten, rassistischen Straftaten. Informationen und Einschätzungen haben sich bestätigt. So auch zu den Morden an Burak und Luke.
Die Ermittlungen zum Mord an Burak wurden verschleppt.
Die Ermittlungstätigkeiten waren chaotisch und intransparent. Die Polizei begann viele Aktivitäten, aber sie waren diffus und nicht zielführend, wirkten teilweise so, als sollten sie vom Wesentlichen ablenken. Obwohl ein rassistisches Motiv naheliegend war, wurde nicht tiefer gehend dazu ermittelt.
Der leitende Mordermittler Hübner behauptete dazu – nachdem er erklärt hatte, sie hätten alles richtig gemacht und alles Notwendige getan! – in seiner Abteilung gäbe es keinen Rassismus.
Institutioneller Rassismus, der unabhängig von individuellem Verhalten einzelner Polizist*innen existiert, ist nicht Bestandteil des Denkens. Er ist auch nicht Bestandteil der Personalpolitik auf höheren Ebenen. Wir haben nicht eine einzige Person von Polizei und Justiz im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gesehen, von der wir vermuten könnten, sie habe eine Migrationsgeschichte.
Die Liste der Beispiele der problematischen Punkte bezüglich der verschleppten, sinnlosen oder nicht erfolgten Ermittlungstätigkeiten, die Fragen nach ihren Hintergründen aufwerfen, ist lang:
Einige Beispiele:
Die Befragung von Anwohner:innen am Tatort wurde angefangen, aber nicht zu Ende geführt und die Fragebögen dann nicht mal ausgewertet.
Rechtsanwalt Theune berichtete, dass das Landeskriminalamt 5 (Staatsschutz) der von Kommissar Hübner geleiteten Mordkommission eine Liste von 20 bis 30 möglicherweise tatverdächtigen Nazis zukommen ließ. Davon wurden absurderweise nur zwei Personen überprüft. Die Auswahlkriterien, u.a. Wohnortnähe, waren insbesondere nach dem Bekanntwerden des NSU nicht nachvollziehbar. Auch mit Funkzellendaten wurden nur zwei von ihnen abgeglichen, die Funkzellenauswertung dann aber nicht zu Ende geführt. Stattdessen überprüfte die Polizei vier belgische Telefonnummern, die sich in der Funkzelle am Klinikum Neukölln befanden.
Zum NSU sagte Staatsanwalt Horstmann in seiner Anhörung unverfroren im Jahre 2025: Den „NSU konnte man ausschließen, die waren ja alle tot oder in Haft!“
Drei Monate nach dem Mord an Burak war ein Auswertungsbericht erstellt worden mit vielen Hinweisen auf noch zu erledigende Ermittlungsschritte, sogar auf Tatverdächtige. Diese Hinweise wurden drei Jahre lang nicht umgesetzt. Und der Bericht wurden nicht in die Fallakten einsortiert. Das bedeutete auch, dass die Anwälte der Familie Bektaş keinen Zugriff auf ihn hatten. Schon 2019 musste der Berliner Innensenat öffentlich zugeben, dass dieser Bericht existierte.
Später gab es weitere, teilweise von ihrem Ansatz aber nicht sinnvoll erscheinende, Evaluierungen der Ermittlungen. Auf parlamentarische Anfragen zu deren Erstellung und Umsetzung gab es immer wieder keine klärenden Antworten. Der Familie wurde nicht die Wahrheit gesagt, sondern sie wurden irregeführt, so dass der Eindruck entstand, es habe keine solchen Evaluierungen und Berichte gegeben.
Rechtsanwalt Theune berichtete, dass es schon 2013/14 die Idee gegeben habe, das Ermittlungsverfahren einzustellen. Dass das nicht passierte, habe vermutlich an der zu erwartenden entsetzten und empörten Reaktion der Familie, ihres Umfelds und der Medien gelegen.
Und entgegen der Behauptung der Ermittlungsbehörden, sie hätten sich um die Familie gekümmert, wurde sie allein gelassen. Melek Bektas, Buraks Mutter schildert, dass es so war, als würde eine Mauer gegen sie errichtet.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum die unzureichenden, ziellosen und verschleppten Ermittlungen und das von Ermittler:innen geschilderte Aktenchaos angeblich nicht verhindert werden konnten. Die zuständigen Staatsanwälte Horstmann und später Knispel erklärten vollkommen unverblümt in ihren Aussagen, es habe von ihrer Seite keinerlei kontrollierende Tätigkeiten, Anregungen oder Empfehlungen gegeben. Dabei wäre genau das ihr Job gewesen.
Das Auftreten von Staatsanwalt Horstmann und Mordermittler Hübner bei ihren Anhörungen war in Gegenwart von Buraks Mutter Melek Bektaş eiskalt, respekt- und skrupellos.
Es gibt viele offene Fragen, die sich nach dem PUA stellen:
Unter anderem:

  • Weshalb war die Spurensicherung bei allen Naziverbrechen im Untersuchungszeitraum des PUA von 2009 bis 2021 auffällig schlecht? Beweismittel wurden nicht mitgenommen, gesprengte Briefkästen wurden nicht danach untersucht, womit sie gesprengt wurden, geworfene Steine blieben tagelang im Regen liegen, etc..
  • Weshalb wurden die Ermittlungen zum Mord an Burak Bektaş verschleppt? Zeug:innen können sich nach Jahren nicht mehr genau erinnern, Wohnungsdurchsuchungen machen keinen Sinn mehr, etc.
  • Weshalb wurden Überwachungsmaßnahmen wie Videoüberwachung und Funkzellendatenabfrage so benutzt und gehandhabt, dass sie keine Ergebnisse produzierten und nutzlos blieben?
  • Warum werden Empfehlungen anderer Untersuchungsausschüsse nicht umgesetzt?
  • Warum gibt es keinen spezifischen Ermittlungsansatz zu rechtem und rassistischem Terror?
  • Warum werden Konsequenzen aus der Erfahrung mit dem NSU-Komplex verweigert?
  • Warum hat die Presse den PUA so wenig durch kritische, unabhängige Berichterstattung begleitet und unterstützt?
    Dies sind nur einige der offenen Fragen.
    Generell stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher parlamentarischer Untersuchungsausschüsse, wenn sie folgenlos bleiben.
    Melek Bektaş Statements zum PUA:
    Ich habe den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss an einem Tag besucht. Die Sitzung hat mich sehr wütend gemacht. So oft „ich kann mich nicht erinnern.“!
    Wir müssen die ganze Zeit kämpfen und Forderungen an die Ermittlungsbehörden stellen. Das ist eigentlich gar nicht meine Aufgabe. Wo ist hier die Demokratie? Wenn sie sagen, wir leben in einem demokratischen Land, sollen Sie auch für Gerechtigkeit sorgen.
    Ich will wissen, wer der Mörder meines Sohnes ist. Das ist mein Recht. Er soll bestraft werden. Der Mord muss aufgeklärt werden!

Worte eines Freundes zum 14. Todestag von Burak

Als unser Bruder aus unserer Mitte gerissen wurde,
waren wir am Boden, zerstört, traurig,
wussten nicht wie es weiter geht,
eine große Leere war in unseren Herzen.
Wir vermissten und vermissen Ihn immer noch sehr stark, was sich auch niemals ändern wird, die Leere in unseren Herzen kann niemand füllen.
Wir wissen aber,
dass das Band unserer Freundschaft so stark war und ist,
dass Burak immer da sein wird wo wir sind.
Wir für ihn und er mit uns
unsere schönsten Erinnerungen, Erlebnisse miterleben wird
und immer an unserer Seite sein wird.

Er ist zwar nicht mehr da aber er ist da wo Wir sind.
Wir werden ihn niemals vergessen, durch unsere Erinnerungen und
Gedanken an ihn wird er für immer in unseren Herzen bleiben.
Er bleibt Unvergessen.
Ich liebe Dich Bruderherz

Redebeitrag der Familie zum 14. Todestag von Burak

Liebe und Freunde, liebe Nachbarn, liebe Menschen, die heute hier sind,
vor fast 14 Jahren wurde uns Burak genommen. Mitten aus dem Leben, mitten aus unserer Mitte. Und auch wenn die Jahre vergehen, wird die Lücke, die er hinterlassen hat, nicht kleiner. Wir stehen heute hier, nicht nur um uns zu erinnern, sondern um Zeugnis abzulegen für den Schmerz, der niemals heilt.

Wir vermissen ihn jeden einzelnen Tag.
Burak war kein Aktenzeichen. Er war ein Sohn, ein Bruder, ein Freund. Er hatte ein Recht auf sein Leben.

Doch zu der Trauer kommt eine Wut, die uns seit jener Nacht im April 2012 begleitet. Eine Wut über die Ungewissheit.

Wir wollen endlich Antworten.
Wer hat Burak erschossen?
Warum musste Burak sterben?
Welches Motiv steckte hinter dieser Tat?

Es ist unerträglich, mit dem Wissen zu leben, dass der Mörder vielleicht noch immer durch diese Straßen läuft. Es ist unerträglich, dass wir noch immer im Dunkeln tappen, während die Ermittlungen seit Jahren auf der Stelle zu treten scheinen.

Wir fordern heute laut und deutlich: *
Es muss endlich echter Fortschritt her!* Wir geben uns nicht mit Vertröstungen zufrieden. Wir akzeptieren kein Achselzucken der Behörden mehr. Ein Mord darf nicht einfach ungesühnt bleiben, nur weil die Zeit vergeht. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung.

Wir werden nicht aufhören zu fragen. Wir werden nicht aufhören, Gerechtigkeit für Burak zu verlangen. Denn solange wir keine Antworten haben, gibt es für uns keinen Frieden.
Burak, wir vergessen dich nicht. Wir kämpfen weiter – für dich und für die Wahrheit.

Vielen Dank.

In Gedenken an Burak – zu seinem 14. Todestag, am 12.04.2026

Redebeitrag der Burak-Ini

Wir sind heute hier, um Burak zu gedenken. Burak wurde ermordet. Der Gedanke, dass er noch leben würde, wenn er einen anderen Namen hätte als Burak, ist für seine Familie unerträglich. Am 5.April 2012 wurde Burak Bektaş, nur wenige Meter von hier, auf offener Straße erschossen. Er war 22 Jahre alt. Vier seiner Freunde überlebten den Anschlag, zwei von ihnen schwer verletzt. Die Behörden konnten alle möglichen Mordmotive ausschließen, bis auf eins: Mordmotiv Rassismus.

Wir stehen an eurer Seite, liebe Familie Bektaş und liebe Freund*innen von Burak. 
In eurer Trauer, in eurer Wut – und in eurer Suche nach Gerechtigkeit. Ihr seid nicht allein.

Der Mord an Burak geschah wenige Monate nach der Selbstenttarnung des NSU. Die Tat geschah aus dem Nichts und ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Tat erinnert an eine NSU-Nachahmungstat. Wir gehen davon aus: Das Mordmotiv war Rassismus. Die Tat selbst ist das Bekenntnis.
Wir sind Zeug*innen, wie seitens der Ermittlungsbehörden systematisch versucht wird, das Motiv Rassismus auszublenden. Bei Mord an einem migrantisch gelesenen Menschen muss von Rassismus als Mordmotiv ausgegangen werden, solange die Behörden das Gegenteil nicht beweisen können.

Wir erinnern: Burak war jung, gerade mal 22 Jahre alt, voller Leben, mit einem ansteckenden Lächeln. Er machte eine Ausbildung als Automobilkaufmann, liebte den Sport und war stolz auf sein Auto. Burak war seiner Familie sehr verbunden.
Burak wurde geliebt. Und er fehlt. Burak wird niemals vergessen und immer fehlen.
Burak, mit seiner roten Mütze und seinem ansteckenden Lächeln.

Seit 14 Jahren stellen wir dieselben Fragen: Wer hat Burak erschossen?
Wer ist der Täter? Warum gibt es bis heute keine Antworten? Statt Aufklärung erfahren wir Stück für Stück von Versäumnissen seitens der Ermittlungsbehörden.
Die Familie fordert Gewissheit. Die Familie fordert Gerechtigkeit. Wir, die Initiative fordern Gewissheit und Gerechtigkeit.
Der Täter muss zur Rechenschaft gezogen werden.
Solange der Täter nicht ermittelt ist, lebt er möglicherweise hier in der Nachbarschaft unbehelligt weiter. Er ist bewaffnet und eine Gefahr für Alle. Wir fordern Polizei und Staatsanwaltschaft auf, ihre Arbeit zu machen.

Am 20. September 2015 geschah ein weiterer Mord in Berlin Neukölln, der Mord an Luke Holland. Der Mörder wurde festgenommen und verurteilt. Es gibt viele Hinweise darauf, dass der Täter, ein Neonazi, auch der Mörder von Burak sein könnte. Das bedeutet: Wenn der Mord an Burak aufgeklärt worden wäre, hätte möglicherweise der Mord an Luke verhindert werden können. Davon waren Lukes Eltern überzeugt, das sagt Philip Holland, Lukes Vater, auch heute. Der Mörder Rolf Zielezinski wird bald aus dem Gefängnis entlassen. Wir wissen nicht wann, weil die Staatsanwaltschaft die Information bisher verweigert. Der Umgang der Ermittlungsbehörden ist verantwortungslos und wir müssen sagen skrupellos. Die Ungewissheit treibt die Familie Bektaş und die gesamte Community um.

Der Mord an Burak und der Mord an Luke stehen in einem Kontext. Rechter Terror hat in Deutschland eine lange Geschichte, so auch in Berlin. Viel zu oft werden Nazimorde verharmlost, nicht konsequent verfolgt oder gar gedeckt. Es lässt sich heute nicht mehr leugnen, dass hinter den NSU-Morden, den Bombenanschlägen und den anderen Verbrechen des NSU, ein Komplex steckt. Es wurde sichtbar, wie Staat und Nazis Hand in Hand gehen. 2012 wurde bekannt, dass das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz am Vernichten von Akten mit Bezug zum NSU-Komplex beteiligt war. Außerdem arbeitete das Berliner LKA mit mehreren Informanten zusammen, die aus dem Umfeld des NSU Informationen hatten, darunter mindestens einen Bezug zu Berlin Neukölln. Bundesweite Nazistrukturen reichen bis nach Neukölln. Seit Jahrzehnten existiert hier eine vernetzte und bewaffnete Neonaziszene, die migrantisierte, linke und antifaschistische Menschen angreifen, terrorisieren und bedrohen. Berliner Justiz, Polizei und Verfassungsschutz haben diese Taten immer wieder heruntergespielt und nicht ausreichend verfolgt. Die Morde an Burak und Luke sind Teil dieser Realität.

In Richtung eines rassistischen Motivs wurde beim Mord an Burak unzureichend ermittelt. So wurden bspw. keine bundesweiten Neonazinetzwerke in den Blick genommen und auch die Berliner und Neuköllner Neonaziszene wurde durch absurde Kriterien so eingegrenzt, dass am Ende nichts übrigbleibt, was von Belang sein könnte. Der Mord an Luke Holland wurde als ein Mord ohne Motiv definiert, nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Polizei wollte kein Motiv ermitteln. Das Gericht wollte kein rassistisches Mordmotiv feststellen. Die Existenz von Rassismus wird in Deutschland allzu gerne negiert.
Bei Rassismus, Rechtem Terror und Nazimorden herrscht in viel zu vielen Fällen Straflosigkeit. Es gibt keine angemessenen Konsequenzen für Täter*innen. Es gibt auch keine angemessenen Konsequenzen für verschleppte Ermittlungen.
„Es ist ihnen egal, ob es einen Ausländer mehr oder weniger gibt.“ Das war Melek Bektaş‘ Zusammenfassung, nachdem sie die Aussage des zuständigen Staatsanwalts im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit anhören musste.

Dass es einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex gibt, ist auf den Druck aktiver und betroffener Personen und Gruppen in Neukölln zurückzuführen. Angemessen wäre, wenn sich die Ermittlungsbehörden hinterfragten. Geht es nach den Behörden, so haben sie alles richtig gemacht. Auch dafür drohen ihnen keine Konsequenzen. Wir treffen auf eine Mauer – Polizei und Staatsanwaltschaft sind nicht willens, gegen extrem rechte, rassistische Straftäter zu ermitteln. Das hat System und stellt eine Gefahr dar.
Und deswegen reden wir von institutionalisiertem Rassismus. Es geht um strukturelles Versagen. Ein Versagen, das Menschen aus dem Leben reißt und unendliches Leid über die Überlebenden und die Hinterbliebenen bringt.
Deswegen sind wir heute hier und rufen: Schluss mit der Straflosigkeit!
Wir fordern von den Behörden: Findet den Mörder!

Melek Bektaş, die Mutter von Burak, sagte am 11. März 2024 bei der bundesweiten Pressekonferenz des Solidaritäts-Netzwerks von Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden rechter, rassistischer, antisemitischer und antimuslimischer Morde und Gewalt aus ganz Deutschland:
„Ich will von den verantwortlichen Behörden den Mörder meines Sohnes. Das ist das Einzige, was ich zu sagen habe.“

Kein Vergeben, Kein Vergessen – Hiç unutmadık, hiç unutmayacağız!

20. Todestag von Mehmet Kubaşık

Liebe Familie Kubaşık,
liebes Bündnis „Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich“ Dortmund,
liebe Antirassist*innen, wir grüßen euch als Burak Bektaş Initiative Berlin. Wir sind traurig, heute nicht bei euch sein zu können. In Gedanken und mit unseren Herzen sind wir bei euch.

20 Jahre! Kein Vergeben!
20 Jahre! Kein Vergessen!
Kein Schlussstrich!

Dass ihr heute wieder am Tatort steht, erinnert an einen Mord, der Grund für unendlichen Schmerz, Trauer und Wut ist. Mehmet Kubaşık wurde heute vor 20 Jahren vom NSU ermordet.
20 Jahre sind seit diesem menschenverachtenden Verbrechen vergangen. Doch viele der Täter:innen und Verantwortlichen wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
Viele Jahre, bis zur Selbstenttarnung des NSU, wurden die Familie und Freund*innen von Mehmet Kubaşık verhöhnt, isoliert und aus ihrem sozialen Umfeld ausgegrenzt. Seit 20 Jahren gibt es keine vollständige Aufklärung.
Diese Gedenkveranstaltungen im April sind nicht nur für Mehmet Kubaşık, sondern für all die Menschen, die in diesem Land im öffentlichen Raum, durch den NSU sowie durch rassistische, faschistische, antisemitische und antimuslimische Gewalt ihr Leben verloren haben.
Der Mord an Mehmet Kubaşık ist kein Einzelfall. Seine Mörder sind keine Einzeltäter.
Das hat System! Die Liste der Opfer von Faschist*innen, Neonazis und Polizeigewalt ist in den vergangenen Jahren immer länger geworden und die Täter in der Polizei werden trotz erdrückender Beweise immer wieder freigesprochen.
Ein aktuelles Beispiel ist der Freispruch von fünf Polizist*innen im Dezember 2024 im Fall Mouhamed Lamine Dramé. Mouhamed war 16 Jahre alt, aus dem Senegal geflüchtet und befand sich in einer psychischen Krise. Er bedrohte niemanden. Er saß in einer Ecke im Hof seiner Jugendeinrichtung in Dortmund. Dort wurde er am 8. August 2022 von einem Polizisten mit sechs Schüssen regelrecht hingerichtet.

Jede und jeder Einzelne wird nicht vergessen!
Kein Vergeben!
Kein Vergessen!
Kein Schlussstrich!

++++

Sevgili Kubaşık ailesi,
Sevgili “Dayanışma Günü – Daha son söz söylenmedi!” Dortmund İnisiyatifi,
Sevgili ırkçılığa karşı olan insanlar,
Sizleri Burak Bektaş İnisiyatifi Berlin olarak selamlıyoruz. Bugün aranızda olamadığımız için üzgünüz. Düşüncelerimizle ve kalplerimizle sizinleyiz.
20 yıl! Affetmek yok!
20 yıl! Unutmak yok!
Daha son söz söylenmedi!
Bugün yeniden olay yerinde olmanız, sonsuz acıya, yasa ve öfkeye neden olan bir cinayeti hatırlatıyor. Mehmet Kubaşık bundan 20 yıl önce bugün NSU tarafından katledildi.
Bu insanlık dışı suçun üzerinden 20 yıl geçti.
Ancak faillerin ve sorumluların birçoğu hâlâ hesap vermedi.
NSU’nun kendini açığa çıkarmasına kadar geçen uzun yıllar boyunca Mehmet Kubaşık’ın ailesi ve arkadaşları aşağılandı, yalnızlaştırıldı ve sosyal çevrelerinden dışlandı. 20 yıldır hâlâ tam bir aydınlatma yok.
Nisan ayındaki bu anma etkinlikleri sadece Mehmet Kubaşık için değil; bu ülkede kamusal alanda, NSU tarafından ya da ırkçı, faşist, antisemitik ve İslam karşıtı şiddet sonucu hayatını kaybeden tüm insanlar içindir.
Mehmet Kubaşık’ın katledilmesi bireysel bir olay değildir. Katilleri münferit kişiler değildir.
Bu bir sistemdir!
Faşistler, neonaziler ve polis şiddeti mağdurlarının listesi son yıllarda giderek uzadı.
Ve polis içindeki failler, ezici kanıtlara rağmen defalarca beraat ettirildi.
Bunun güncel bir örneği, Aralık 2024’te Mouhamed Lamine Dramé davasında beş polisin beraat etmesidir.
Mouhamed 16 yaşındaydı, Senegal’den sığınmacıydı ve psikolojik bir kriz içindeydi. Kimseyi tehdit etmiyordu. Dortmund’da kaldığı gençlik kurumunun avlusunda bir köşede oturuyordu.
Orada 8 Ağustos 2022’de bir polis tarafından altı kurşunla adeta infaz edildi.
Hiç kimse unutulmayacak!
Affetmek yok!
Unutmak yok!
Daha son söz söylenmedi!

++++
Mehr Informationen: Tag der Solidarität Dortmund

4.4.2026 Remembering Luke Holland on Lukes 42nd Birthday

Message from Philip Holland, father of Luke Holland, on Lukes 42nd Birthday:

„Thank you all for remembering Luke, and coming together, on what should have been Luke’s 42nd birthday.
Even after 10 years, the grief and sadness I feel gets heavier, as I miss Luke and Rita so, so much.
The anger I feel, that Luke’s murderer will be released from prison in 18 months, never goes away.
I can only hope that Zielezinski, on release, is investigated for Burak’s murder, and finally brought to justice.“

Philip Holland

Luke Holland was murdered by a Neonazi in Berlin, he was only 31 years old. He was shot dead outside a pub in Berlin-Neukölln on 20th September 2015.
Luke’s mother, Rita Holland, took her own life on October 21, 2019. She could no longer bear the pain.
We will lay some flowers for Luke on his 42nd Birthday Saturday, 4th April 2026 at 6 p.m.
Luke Holland Memorial Site, Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)

***

In Erinnerung an Luke Holland

Nachricht von Philip Holland, Lukes Vater, zu dessen 42. Geburtstag:

„Ich danke euch allen, dass ihr an Luke denkt und an diesem Tag zusammenkommt, der Lukes 42. Geburtstag hätte sein sollen.
Selbst nach 10 Jahren werden die Trauer und die Traurigkeit, die ich empfinde, immer größer,
da ich Luke und Rita so, so sehr vermisse.
Die Wut, die ich empfinde, weil Lukes Mörder in 18 Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird, lässt mich nicht los.
Ich kann nur hoffen, dass gegen Zielezinski nach seiner Entlassung wegen des Mordes an Burak ermittelt wird und er endlich vor Gericht gestellt wird.

Philip Holland

Luke Holland wurde in Berlin von einem Neonazi ermordet, er war erst 31 Jahre alt. Er wurde am 20. September 2015 vor einer Kneipe in Berlin-Neukölln erschossen.
Lukes Mutter, Rita Holland, nahm sich am 21. Oktober 2019 das Leben. Sie konnte den Schmerz über den Verlust ihres Sohnes nicht mehr ertragen.
Wir werden an Lukes 42. Geburtstag Blumen für ihn niederlegen.
Samstag, 4. April 2026, um 18 Uhr
Luke-Holland-Gedenkort, Ringbahnstraße /Ecke Walterstraße (S-Bahnhof Neukölln)

***

Luke Holland’ın Anısına

Luke’un babası Philip Holland’ın, oğlu Luke’un 42. doğum günü vesilesiyle yazdığı mesaj:

“Luke’u hatırladığınız ve bugün bir araya geldiğiniz için hepinize teşekkür ederim;
bugün, Luke’un aslında 42. doğum gününü kutlayacağı gündü.
10 yıl geçmesine rağmen, Luke ve Rita’yı çok özlediğim için hissettiğim keder ve hüzün giderek daha da ağırlaşıyor.
Luke’un katilinin 18 ay sonra hapisten çıkacak olması nedeniyle hissettiğim öfke beni hiç rahat bırakmıyor.
Sadece Zielezinski’nin tahliye edildikten sonra Burak cinayeti nedeniyle soruşturulmasını ve nihayet mahkemeye çıkarılmasını umut edebilirim.”

Philip Holland

Luke Holland, Berlin’de bir neonazi tarafından öldürüldü, henüz 31 yaşındaydı. 20 Eylül 2015’te Berlin-Neukölln’deki bir barın önünde vurularak öldürüldü.
Luke’un annesi Rita Holland, 21 Ekim 2019’da hayattan ayrıldı. Acıya daha fazla dayanamadı.
Luke’un 42. doğum gününde katledildiği yere onun için çiçekler bırakacağız
4 Nisan 2026 Cumartesi, saat 18:00
Luke Holland Anıtı, Ringbahnstraße/ Walterstraße köşesi (Neukölln S-Bahn istasyonu)