Grussworte an das Gedenken an Halit Yozgat und Jorge Gomondai

Liebe Freundinnen und Freunde,

In Solidarität Gedenken wir an 3 aufeinanderfolgenden Tagen an Halit Yozgat ermordet am 6.4.2006 vom NSU in Kassel.
Jorge Gomondai ermordet am 6.4.1991 in Dresden.
Burak Bektaş ermordet ermordet am 5.4.2012 in Berlin.
Mehmet Kubaşık ermordet am 4.4. 2006 vom NSU in Dortmund.

Wir können nicht bei euch sein, aber mit unseren Herzen sind wir bei euch – Kalplerimiz sinzinle – Our Hearts are with you

Dieses Jahr werden unsere Gedenkveranstaltungen aufgrund der Corona-Krise auf eine besondere Weise durchgeführt, mit Auflagen, die das Leid noch mehr verstärken.

Wir trauern mit euch. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Ermordeten und ihren Freund*innen, heute im besonderen der Familie Yozgat und der Familie Gomondai…

Wir sehen die Kontinuität rechter/rassistischer Morde in Deutschland. Wir sehen den strukturellen Rassismus dahinter, das diesen den Boden schafft.

Wir sehen aber auch die Kraft eurer Liebe zu den Menschen, die euch gewaltsam genommen wurden. Und es scheint als ein unermüdlicher Kampf, aber ihr seid diejenigen, die am ehesten Wissen, wie schwer es zu ertragen ist. „Das Feuer brennt da, wo es hinfällt.“

Daher möchten wir an eurer Seite stehen. Wir möchten Gerechtigkeit für das Geschehene und wir möchten keine weiteren Opfer. Familie Yozgat, Familie Kubaşık und Familie Şimşek haben gemeinsam 2006 appelliert: „Kein 10.Opfer.“
Und doch geschah dieser. Und Weitere geschahen…

Dieser Tage wird das schriftliche Urteil im NSU Prozess erwartet und wir alle wissen, um der milde die das Gericht walten lässt mit den Täter*innen und vertuscht um den Komplex der dahinter steckt.

Wir wollen kein weiter so. Wir wollen Kein Mölln, Kein Hamburg, Kein Nürnberg, Kein Dresden, Kein Berlin und Kein Hanau,

Wir wollen Aufklärung und wir wollen Gerechtigkeit.

Gegen jeglichen Rassismus – für eine bessere Welt.

solidarische Grüsse
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş

#BurakUnvergessen – Grußwort von NSU-Watch

zum Anhören: archive.org (mp3)

Liebe Familie Bektaş, liebe Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş,

obwohl wir heute leider nicht gemeinsam am Gedenkort stehen können, wollen wir mit euch gemeinsam Burak gedenken. Wir wollen mit euch alle daran erinnern, dass sein Mord auch am achten Jahrestag immer noch nicht aufgeklärt ist. Ein rassistisches Motiv für die Tat liegt nahe, wird aber von den Behörden weiterhin nicht erkannt. Wir kennen diese Arbeit der Behörden aus dem NSU-Komplex und wir müssen lernen, dass sich seitdem an polizeilichen Ermittlungen und Verlautbarungen nicht viel geändert hat.

Längst konntet ihr durch eure unermüdliche Arbeit herausfinden, dass die Polizei nie konsequent in Richtung eines rechten Motivs für den Mord an Burak ermittelt hat. Unterdessen sind weitere Betroffene in Neukölln seit Jahren mit rechtem Terror konfrontiert, der auch einen
weitere Toten, Luke Holland, gefordert hat. Diese Serie muss aufhören!

Wir fordern die sofortige konsequente Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, wir fordern die Aufdeckung und Entwaffnung des Neonazinetzwerkes in Neukölln. Die Betroffenen wissen, um wen es sich handeln könnte. Es muss ihnen zugehört werden! Wir von NSU-Watch senden euch an diesem schweren Tag solidarische Grüße und wünschen
euch viel Kraft in eurem Ringen um Aufklärung.

NSU Watch

#BurakUnvergessen – Gedenken – 8. Todestag von Burak Bektaş am 5. April 2020

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir können unser Gedenken an Burak am 5. April 2020 nicht so durchführen, wie wir es gern tun würden. Unsere Demonstration haben wir abgesagt. Wir haben aber den Umständen entsprechend (Corona-Krise) umgeplant:

ONLINE werden wir Buraks 8. Todestag mit unserem Gedenken und Grussbotschaften als Audio- und Videobotschaften oder Bildern unter #burakunvergessen virtuell gestalten.

Auch Ihr könnt dies tun. Dafür könnt Ihr auch unsere Schilder mit Fragen und Forderungen verwenden. Diese findet ihr als PDF-Dateien auf unseren Blog.
Druckt sie aus, verbreitet sie, macht Fotos und teilt diese oder die Beiträge von anderen Menschen auf social media – #burakunvergessen – oder schickt sie uns zu per Mail (burak-initiative[ät]web.de).

OFFLINE laden wir herzlich ein an Buraks 8. Todestag individuell zu Gedenken und am Gedenkort Burak Bektaş (Rudower Strasse/Möwenweg in Berlin) nachmittags Blumen niederzulegen. Ihr könnt die Schilder gern ausdrucken und zum Gedenkort bringen oder in der Stadt verbreiten…

Der Todestag von Burak Bektaş ist nicht verschiebbar!

– vielen Dank für die Grußworte, die wir schon veröffentlichen konnten.

#BurakUnvergessen – Grußwort der Semra Ertan Initiative

In Gedenken an Burak Bektaş
5.4.2020

Wir gedenken Burak. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie und bei seinen Freund*innen, die wie wir noch immer vor vielen offenen Fragen stehen:
– Wer hat Burak Bektaş ermordet?
– War Rassismus das Motiv?
– Gab es Parallelen zum NSU?
– Wurde genug ermittelt?
– Wurden die Aussagen der Opfer ernst genommen?

Rassismus ist in der Gesellschaft so tief verankert, dass wir so lange von einem rassistischen Motiv ausgehen müssen, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Wir von der Initiative in Gedenken an Semra Ertan unterstützen die Aufklärung dieser Fragen und stehen solidarisch an der Seite der Liebsten von Burak, der Initiative und allen weiteren Menschen, die das Gedenken an Burak aufrecht erhalten.

Burak ist und bleibt unvergessen.

Und wir gedenken auch Luke Holland, der gestern am 4. April, 36 Jahre alt geworden wäre.

Semra Ertan hat sich vor 38 Jahren in Hamburg das Leben genommen, um gegen den zunehmenden Rassismus in Deutschland zu protestieren. Sie arbeitete als technische Bauzeichnerin und Dolmetscherin und schrieb über 350 Gedichte und Satiren. Das Gedenken an Semra Ertan wach zu halten, ihre Botschaft weiter zu tragen und ihr poetisches Werk bekannt zu machen, ist Ziel unserer Initiative. Wir möchten diese Grußbotschaft mit einem Ihrer Gedichte beenden:

Was ich mir wünsche!…

An einem kalten Wintertag
Es könnte ein Donnerstag sein
Und leise Schnee rieseln.

Ich säße an einem Ofen,
Und für euch beginne ich zu schreiben.

Auch wenn ich eine unerfahrene Dichterin wäre,
Schreiben ich, was ich zu sagen hätte.

Wer sagte, „im Land gäbe es keine Dichter“
Jeden Tag kommt ein Nachwuchs.

Ich werde kein anderes Gedicht aneignen,
Großzügig werde ich meine Schriften anbieten.

Aber leider zu spät, werden sie es wertschätzen,
Dann werde ich von allen Ahnungslos in weiter Ferne sein.

Semra Ertan, 1977

semraertaninitiative.wordpress