Rede der Burak-Ini „12 Jahre ohne Aufklärung“ gehalten am 6.4.2024

12 Jahre ohne Aufklärung
sind 12 Jahre ohne Sicherheit für die Familie und viele andere Menschen.
Wir haben es bereits gesagt. Es darf einfach nicht sein, dass wir bis heute nicht wissen, ob von dem Täter weitere Gefahr ausgeht. Ob er für weitere Taten verantwortlich ist. Wir müssen wissen, wer Burak ermordet hat und warum. Niemand darf das Signal bekommen, dass man damit davonkommen kann, wenn man einen Menschen aus mutmaßlich rassistischen Motiven ermordet.

12 Jahre ohne Aufklärung
sind es im Fall von Burak. Aber auch zahlreiche weitere rechtsextreme Straftaten in Neukölln wurden bis heute nicht aufgeklärt. Wir wollen wissen, warum.
Deswegen haben wir gemeinsam mit weiteren Betroffenen und Initiativen seit Jahren einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss gefordert.
Dieser Untersuchungsausschuss besteht nun seit 2 Jahren. Er hat die Aufgabe, herauszufinden, warum all diese Straftaten in Neukölln bis heute nicht aufgeklärt wurden.

Ab nächstem Freitag, dem 12. April, wird es in den folgenden Sitzungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses um die Ermittlungen zum Mord an Burak gehen. Und später auch um den Mord an Luke Holland.

12 Jahre ohne Aufklärung bedeutet auch immer wieder dieselben Fragen stellen zu müssen: Wie Melek Bektas, Buraks Mutter sagt: „Es gibt viele Fragezeichen. Viele offene Fragen.“

Warum wurde Rassismus als Tatmotiv nicht gewissenhaft nachgegangen?
Wir sagen seit Jahren: Wir gehen von Rassismus als Tatmotiv aus, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Die Geschehnisse der Jahre vor dem Mord sprechen dafür. Was war also los in Berlin um den April 2012?

In den Monaten vor Buraks Ermordung gab es in Berlin zahlreiche krasse, rechtsextrem motivierte Anschläge.
In Neukölln wurde beispielsweise am 27.6.2011 ein Brandanschlag auf das Anton Schmaus Haus, einen linken Jugendclub, verübt. Das Anton-Schmaus-Haus brannte nieder.
In der gleichen Nacht gab es Brandanschläge auf vier weitere linke Orte in Berlin: Ein Wohnprojekt über dem Bandito Rosso und das Tuntenhaus, beide im Prenzlauer Berg, das Red Stuff und das Tommy Weisbeckerhaus in Kreuzberg.

Im November 2011, in der Nacht zum 9.11.2011, brannte das Anton-Schmaus-Haus bei einem erneuten Brandanschlag zum zweiten Mal aus. Das war nur ca. fünf Monate vor dem Mord an Burak.
Ab Februar 2012 wurden Briefe von Reichsbürgern verschickt. In den Briefen wurden Menschen zur Ausreise aufgefordert, die einem rechtsextremen Weltbild nach nicht nach Deutschland gehören und mit „standrechtlichen Erschießung“ gedroht. Der Brief wurde zur Anzeige gebracht. Die Bedrohungslage muss der Polizei also bekannt gewesen sein.
In einer kleinen Anfrage vom 12. April 2013 (Drucksache 17 / 11 880, Frage 7 – link) zu dem Thema, ob ein Zusammenhang zwischen dem Mord an Burak und dem Reichsbürgerspektrum in Erwägung gezogen wird, wurde dreisterweise einfach nur geantwortet: Zitat „Es gibt keinen polizeilich definierten Begriff eines „Reichsbürgerspektrums“. Offenbar wurde da also nichts überprüft. Super Arbeit!

Außerdem zirkulierte im Netz der Aufruf einen Berliner Neonazi zu rächen. Dieser starb 19 Jahre zuvor am 04. April 1992 bei einer Auseinandersetzung mit migrantischen Antifas. Auch die „Freien Kräfte Neukölln“ riefen zur Rache auf. Burak wurde also am Todestag eines Neonazis ermordet, für den andere Neonazis zur Rache aufgerufen haben.

Was diese Beispiele auf jeden Fall deutlich machen, ist: Offensichtlich gibt es in Berlin zur Zeit des Mordes an Burak und des Mordanschlags auf seine Freunde eine militante, gewaltorientierte, rechtsextreme Szene aus unterschiedlichen Strömungen.

Auch die Selbstenttarnung des NSU war im November 2011.

Es war also völlig klar: Es gibt militante rechtsterroristische Strukturen in Deutschland, die Menschen aufgrund von rassistischen Motiven ermorden und dadurch auch das Ziel verfolgen, alle von Rassismus betroffenen Menschen in Angst zu versetzen.
Es war ebenso völlig klar: Die Deutsche Polizei hat „nicht in Richtung eines rechten Motivs ermittelt, sondern die Angehörigen und die Opfer selbst verdächtigt,., So blieb der NSU unerkannt“, wie NSU Watch schreibt. Die ermittelnden Behörden klärten die jahrelang andauernde Mordserie nicht auf und weigerten sich, sie als rassistische Mordserie zu erkennen.

Führen wir uns nochmal den Tathergang am 5.4.2012 vor Augen. Eine Gruppe junger Männer mit Migrationshintergrund steht nachts auf der Straße, unterhält sich und sie haben eine gute Zeit. Sie sind zufällig aufeinander getroffen. Ein unbekannter weißer Mann nähert sich und schießt völlig unvermittelt, ohne Wortwechsel auf die Jugendlichen. Er entfernt sich ohne große Hast vom Tatort.
Der Tathergang erinnert an die Taten des NSU. Das Tatmotiv Rassismus drängt sich geradezu auf. Andere plausible Motive gibt es nicht und wurden auch von der Polizei offenbar nicht gefunden.

Aufgrund des Tathergangs und der politischen „Großwetterlage“ hätte es also unbedingt Sinn gemacht, zuallererst Richtung rechts zu ermitteln und das Tatmotiv Rassismus abzuklopfen.
Wenn es Hausdurchsuchungen bei Neuköllner Neonazis gegeben hätte und Befragungen stattgefunden hätten, wäre uns dies bekannt. Das war aber nicht so.
Wir wollen deswegen wissen: Hat die Polizei etwas unternommen, um das Tatmotiv Rassismus konsequent zu überprüfen? Wir wollen keine Worthülsen-Antworten mehr, Damit lassen wir uns nicht abspeisen!

Wenn es also so ist, dass das Tatmotiv Rassismus von der Polizei nicht gewissenhaft geprüft wurde, wollen wir wissen: Warum und wer ist für dieses unentschuldbare Versäumnis verantwortlich?

Was wir wissen, und was uns in unserem Misstrauen gegenüber den polizeilichen Ermittlungen Recht gibt: Kommissar Hübner, lange Jahre leitender Ermittler im Mordfall Burak, hat direkt im Anschluss, ab 2019 beim Staatsschutz 387 Fälle von mutmaßlich rechtsextremen Straftaten einfach nicht bearbeitet. Er hat sie liegen lassen und genau nichts unternommen. Konsequente Strafverfolgung von rechtsextremen Straftaten? Fehlanzeige! Wegen „Strafvereitelung im Amt“ wird nun ermittelt.

Buraks Fall war zwar nicht bei diesen liegen gelassenen Fällen dabei. Aber auch in Buraks Fall können wir eindeutig von Verschleppung der Ermittlungen sprechen.

Wir machen weiter mit der Tatnacht, der Nacht vom 4. Auf den 5. April 2012.
Hier wollen wir als erstes wissen:
Wie ist die unwürdige Behandlung der Überlebenden und von Buraks Angehörigen zu erklären? Die Überlebenden mussten noch eine lange Zeit draußen in der Kälte auf der Straße warten und wurden anschließend bis zum frühen Morgen auf dem Polizeirevier befragt. Und das, nachdem sie gerade einen Mordanschlag überlebt hatten, zwei ihrer Freunde in Lebensgefahr schwebten und einer ihrer Freunde den Anschlag nicht überlebt hatte.
Buraks Familie wurde nicht etwa zu Hause von der Polizei aufgesucht, um ihnen schonend beizubringen, was passiert war. Nein, einer von Buraks Freunden hat Buraks Eltern informiert, dass etwas Schlimmes passiert ist. Sie haben daraufhin selbst mitten in der Nacht das Polizeirevier aufgesucht. Sie wurden eine Dreiviertelstunde warten gelassen, bevor sich endlich jemand die Zeit nahm, ihnen mitzuteilen, dass ihr Sohn erschossen wurde.

Aber in der Nähe des Tatorts wurde in der Tatnacht eine Person mit türkischem Namen als tatverdächtig festgenommen. Es stellte sich heraus, dass die Person mit dem Mord an Burak nichts zu tun hatte.
Drei ältere weiße Männer, die gerade aus einer „rechtslastigen“ Kneipe in der Nähe kamen und keinen wirklichen Grund nennen konnten, weshalb sie am Tatort auftauchten, wurden von der Polizei freundlich als Zeugen und nicht etwa als Tatverdächtige registriert.
Ein migrantisch gelesener Mann, der versuchte, den Überlebenden direkt nach dem Mord beizustehen, wurde von der Polizei am Tatort ignoriert, obwohl er eine Zeugenaussage machen wollte. Als er daraufhin schließlich gehen wollte, bedrohten sie ihn mit einer Waffe.
Auch die Tatortarbeit, die Beweissicherung, war schockierend schlecht. So hat zum Beispiel ein Autobesitzer am nächsten Tag ein Einschussloch in seinem Auto entdeckt. Er hat das Projektil selbst zur Polizei gebracht. Wieso konnte die Polizei bei einer Spurensicherung ein Einschussloch in einem Auto übersehen?

Auch in den Ermittlungen, die auf den Mord folgten, wurde relevanten Hinweisen nicht nachgegangen.

Ein Beispiel dafür, ist der Umgang mit einem Hinweis zu Rolf Zielezinski, dem Mörder von Luke Holland, der an die Polizei 2013 ging. Rolf Zielezinski sei in illegalem Waffenbesitz und habe engen Bezug zum Tatort des Mordes an Burak Bektaş.
Dem wurde nicht sorgfältig nachgegangen. Der damals zuständige Mordermittler, der oben schon erwähnte Hübner, hat dies erst zugegeben, als es ihm im Kontext der Ermittlungen zum Mord an Luke Holland 2016 nachgewiesen wurde.
Wir wollen die Gründe erfahren. Warum wurde diesen Hinweisen nicht ordentlich nachgegangen?
Die Familien Holland und Bektaş gehen davon aus, dass es gut möglich ist, dass ihre Söhne von demselben Täter, Rolf Zielezinski, ermordet wurden. Wäre nach dem Mord an Burak korrekt ermittelt worden, hätte dann der Mord an Luke verhindert werden können?
Und noch mehr zu Rolf Zielezinski: Er wurde für den Mord an Luke Holland verurteilt, jedoch angeblich ohne feststellbares Motiv. Der damalige Polizeipräsident Kandt bestätigte kürzlich als Zeuge im Untersuchungsausschuss diese Auffassung noch einmal. Dabei ist klar, dass Zielezinski ein Nazi ist. Im Prozess gegen ihn kamen zahlreiche Beweise für seine extrem rechten und rassistischen Auffassungen zur Sprache. Was wird unternommen, wenn sich herausstellt, dass Ermittlungsbehörden und Richter*innen offenbar nicht willens sind, rechte Motive zu erkennen und die Konsequenzen daraus zu ziehen?

Es gab kurz nach dem Mord im Juni 2012 einen „Auswertungsbericht des Landeskriminalamtes mit Empfehlungen für neue Ermittlungsansätze. Diese wurden aber allem Anschein nach 2 1/2 Jahre lang nicht umgesetzt.
Nach wiederholten Aktenanfragen der Anwälte der Familie Bektaş, erhielten diese den Auswertungsbericht erst 2016. Für die Arbeit der Anwält:innen der Familie Bektaş sind vollständige Akten die wichtigste Informationsquelle. Werden diese nicht von der Staatsanwaltschaft geliefert, wird ihre Arbeit sozusagen torpediert. Dreisterweise wurde dann im Februar 2016 auf eine kleine Anfrage der Parlamentarier:innen (Drucksache 17 / 17 924 – link) behauptet, dieser Auswertungsbericht sei nicht 2012 sondern erst 2015 erstellt worden.
Erst 2019 musste dann von Innensenator Geisel zugegeben werden, dass der Auswertungsbericht doch schon 2012 erstellt wurde (Drucksache 18 / 20 062 – link). Es wurde als „Büroversehen“ bezeichnet.

Um welches „Büro“ soll es dabei gehen? Solche angeblichen Büroversehen kennen wir bereits von den NSU-Morden. Wer ist hierfür verantwortlich zu machen? Wer hat solch ein Interesse an der Verschleppung der Aufklärung des Mordes an Burak?

Am 8.4.2019 wurden falsche und verleumderische Aussagen über Burak im Berliner Kurier abgedruckt, was bei der Familie zusätzlichen Schmerz verursacht hat. Diese Informationen kamen laut der Zeitung aus dem Polizeiapparat, Konsequenzen gab es keine.

Ist es möglich, dass bekannte Neuköllner Neonazis in die Morde von Luke und Burak verwickelt sind? Auf diese Frage, sagte vor kurzem der damals im LKA im Bereich rechtsextreme Straftaten tätige Polizeizeuge Minske im Untersuchungsausschuss, es sei vom Staatsschutz überprüft worden, ob der Tatverdächtigenkreis des Neukölln-Komplexes für Buraks Fall relevant sei. Es sei aber zu keinem Ergebniss gekommen. Seiner Meinung nach sei dem nicht so, da sie keine Schusswaffen gehabt hätten.
Wie kommt er zu dieser Aussage? Wurde das konkret überprüft?

Nach dieser langen und unvollständigen Liste all der offenen Fragen, wundern wir uns, wie der Parlamentarische Untersuchungsausschuss diese in den lächerlich wenigen Sitzungen beantworten soll, die sie bis jetzt zu dem Mord an Burak angesetzt haben. Allein das ist schon wieder ein Skandal!

Wir sind sehr gespannt darauf, was bei den kommenden Ausschusssitzungen zum Neukölln-Komplex beim Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus zu Buraks und Lukes Ermordung passiert. Werden die für die Ermittlungen verantwortlichen Staatsanwälte und Polizeibeamt:innen sich wieder an angeblich nichts erinnern können, es sei ja schon so lange her? Ja, alles ist lange her. Wir erinnern!

12 Jahre ohne Burak
12 Jahre ohne Aufklärung
12 Jahre die Frage: War das Motiv Rassismus?

Wer Gedenken will, muß aufklären.
Erinnern, Aufklären, Gerechtigkeit. Konsequenzen!
No justice – no peace

PM der Burak Ini anlässlich des PUA Neukölln-Komplex zum Mord an Burak Bektaş

Am 12. April 2024 wird im parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) „Neukölln-Komplex“ ab 9:00 Uhr der Mord an Burak Bektaş und der Mordversuch an zwei seiner Freunde behandelt. Wir werden gemeinsam mit den anderen Initiativen, die sich für Aufklärung des „Neukölln-Komplex“ einsetzten, ab 8:30 eine Kundgebung vor dem Abgeordneten Haus (Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin) abhalten und dann den PUA zum
„Neukölln-Komplex“ beobachten.

Gehört werden zum Mord an Burak Bektaş der verantwortliche Staatsanwalt für die Ermittlung zum Mord an Burak, Dieter Horstmann und Alexander Hübner, bis 2019 leitender Ermittler der Mordkommission zum Mord an Burak und danach beim Staatsschutz tätig, wo er 387 rechte/rassistische Straftaten nicht verfolgte, sowie der Rechtsanwalt der Familie Bektaş, Lukas Theune.

Weitere, bisher festgelegte Termine des PUA „Neukölln-Komplex“ zu den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland sind der 26. April, der 17. Mai und der 31. Mai, jeweils um 9:00 Uhr. Ab 8:30 wird es eine Kundgebung vor dem Abgeordneten Haus (Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin) geben.

Luke Holland wäre am 4. April 2024 40. Jahre alt geworden, wenn er nicht von dem Neonazi Rolf Zielezinski am 20.9.2015 ermordet worden wäre.
Phil Holland schrieb uns anlässlich des Geburtstags seines Sohnes:

„Im Hinblick auf Lukes Geburtstag möchte ich Ihnen sagen: “Es macht mich froh und stolz, dass die intensiven Bemühungen der Initiative und anderer endlich eine staatliche Untersuchung der gescheiterten Ermittlungen zum Mord an Burak erzwungen haben. Hoffentlich wird dies dazu führen, dass die betroffenen Beamten bestraft werden und gegen den Verdächtigen Zielzinsky erneut ermittelt wird. Nichts davon wird Burak oder Luke zurückbringen, aber es wird hoffentlich zu einer Verurteilung für den Mord an Burak führen.
Mit freundlichen Grüßen
Phil“

***

Wir möchten auch nochmal einladen zur Kundgebung am Samstag den 6. April „12 Jahre ohne
Burak – 12 Jahre ohne Aufklärung“ ein (Gedenk-Kundgebung | Samstag, 6.4.2024 15:00 Uhr | Gedenkort Burak Bektaş | Rudower Straße / Möwenweg | Berlin-Neukölln (Süd).

Weitere Informationen zum PUA werden folgen.

4. April: Erinnerung an Mehmet Kubaşık

und alle Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt!

Tag der Solidarität Dortmund

Grußworte der Burak-Ini:
Liebe Familie Kubaşık, liebe Initiative Tag der Solidarität, liebe solidarische Menschen,

wir senden euch aus tiefstem Herzen zu eurer Gedenkkundgebung, am 12. Tag der Solidarität, in Erinnerung an Mehmet Kubaşık, der am 4.April 2006 vom NSU ermordet wurde, unsere solidarischen Grüße. Der 4 April steht für den Tag, an dem euch euer geliebter Ehemann, geliebter Vater, geliebter Freund aus seinem und eurem Leben gerissen wurde. 18 Jahre ohne Mehmet Kubaşık.
Und der Tag der Solidarität steht für euch zugleich für das Erinnern aller Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt!
Wenige Monate nach dem Auffliegen des NSU-Komplex wurde am 5.4.2012 in Berlin Neukölln Burak Bektaş ermordet. Es sind nun 12 Jahre her. 12 Jahre ohne Burak. 12 Jahre ohne Aufklärung, trotz des Kampfes der Familie Bektaş und der Freunde von Burak und unserer Initiative.
Das Gericht im Münchener NSU-Prozess hat zwar ein Urteil gesprochen, aber noch längst nicht umfassend aufgeklärt. Wir sehen, dass der Staat kein wirkliches Interesse hat an umfassender Aufklärung rassistischer, rechter Morde und Gewalt hat. Es fehlen ernst zunehmende, ehrliche Anstrengungen und Konsequenzen im Kampf gegen den Rechtsruck und Faschismus.
Rassisten und Nazis haben uns unsere Liebsten aus unserer Mitte gerissen.
Staat und Nazis liefen teils Hand in Hand. Doch wir haben uns nicht einschüchtern lassen und unsere Solidarität stärkt sich und wächst. Gemeinsam stehen wir für ein würdiges Erinnern, lückenlose Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen.

Mehmet Kubaşık unvergessen
Solidarische Grüße
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş.
Berlin, den 3.4.2023

Birthday of Luke Holland: He could be 40 years old at the 4th April 2024 – Words from his father

With regards to Luke’s birthday, I would like you to say, How pleased, and proud I am that the intense efforts of the Initiative and others have finally forced a government inquiry into the failed investigation of Burak’s murder. Hopefully this will result in the officials being concerned being punished, and the suspect, Zielezinski being reinvestigated. None of this will bring Burak or Luke back, but will hopefully result in a conviction for the murder of Burak.
Kind regards
Phil

Im Hinblick auf Lukes Geburtstag möchte ich Ihnen sagen: Es macht mich froh und stolz, dass die intensiven Bemühungen der Initiative und anderer endlich eine staatliche Untersuchung der gescheiterten Ermittlungen zum Mord an Burak erzwungen haben. Hoffentlich wird dies dazu führen, dass die betroffenen Beamten bestraft werden und gegen den Verdächtigen Zielzinsky erneut ermittelt wird. Nichts davon wird Burak oder Luke zurückbringen, aber es wird hoffentlich zu einer Verurteilung für den Mord an Burak führen.
Mit freundlichen Grüßen
Phil

— Link: Luke Holland – his life and his death

Burak’sız 12 yıl – Aydınlanma olmadan 12 yıl

Anma mitingi | 6 Nisan 2024 Cumartesi | Saat 15:00 | Burak Bektaş ANITI | Rudower Straße / Möwenweg | Berlin-Neukölln


„Anmak isteyenler aydınlatmalı“.

Burak Bektaş, 4 Nisan 2012’yi 5 Nisan 2012’ye bağlayan gece Berlin-Neukölln’deki Britz hastanesinin karşısında silahlı saldırıda katledildi. Cinayet 12 yıldır aydınlatılamadı. 12 yıl sonra hala soruyoruz: Cinayetin nedeni ırkçılık mıydı? Burak’ın ailesi ve arkadaşlarıyla Burak’ın katlediliş yıldönümünü 6 Nisan, saat 15:00’te Burak’ı anmak istiyor ve hepinizi bize katılmaya davet ediyoruz.

Aile, arkadaşları ve dayanışmacılar 12 yıldır olayın aydınlatılması ve kesinlik kazanması için mücadele ediyor: „Cevaplanmamış pek çok soru. Birçok soru işareti var. Böyle bir cinayeti hak etmedik. Kimse bunu hak etmiyor. Sorumlu makamlardan oğlumun katilini istiyorum“ diyor. Burak’ın annesi Melek Bektaş.

Geçtiğimiz günlerde Berlin LKA’da aşırı sağcı suçlarla ilgili 387 dosyanın işleme konulmadığı ortaya çıktı. Şu anda iç soruşturma altında olan baş komiser aynı zamanda Burak Bektaş davasında esas cinayet soruşturmacısıydı. Melek Bektaş soruyor: „Bu komiser, devletin bir temsilcisi olarak hangi vicdanla gözlerimin içine bakıp, „Bayan Bektaş, ben sizi çok iyi anlıyorum. Biz her taşın altına bakıyoruz“ diyebilyor.

Burak’ın katledilmesi ve Neukölln’deki bir dizi aşırı sağcı suçla ilgili soruşturmaya ilişkin cevaplanmamış birçok soru, 2022’den bu yana bir Meclis Araştırma Komisyonunun konusudur. Bu Araştırma Komisyonu için uzun süredir çağrıda bulunuyoruz. Ancak şu ana kadar elde edilen sonuçlar hiç de tatmin edici değil: Yetkili makamlardan dikkat çekici sayıda tanık, önemli soruları yanıtlamaktan sistematik olarak kaçınıyor. Örneğin, ilgili olguları „hatırlayamıyorlar“ ya da ifade vermeye yetkili değiller. AfD’nin heyet üyeliği bir dayatma ve mağdurlar için bir dayatmadır.

Burak cinayeti dosyası Nisan ayı ortasından itibaren Meclis Araştırma Komisyonu tarafından ele alınacaktır. Araştırma Komisyonunu eleştirel bir gözle izleyecek ve takip edeceğiz. Lütfen Berlin Meclis Araştırma Komisyon toplantılarına katılın. Öncesinde mitinglerimize gelin ve eleştirel bir kamusal alan yaratmak için bize destek olun. Burak’ın katili adalet önüne çıkarılancıya kadar ve soruşturmanın neden bu kadar uzun sürdüğü açıklığa kavuşturuluncaya kadar! rahat vermeyaceğimizi açıkça ortaya koyuyoruz! Birlikte kamusal baskılara devam edeceyiz açıklıyoruz!

Susmak yok. Mücadele var! Burak’ın anısına.

English Call: 12 years without Burak – 12 years without enlightenment – Saturday, 06.04.2024

Saturday, 06.04.2024 | 15:00 pm | Memorial site Burak Bektaş | Rudower Straße/Möwenweg | 12351 Berlin

„Those who want to commemorate should educate“.

Burak Bektaş was shot dead in front of the Britz hospital in Berlin-Neukölln on the night of 4 to 5 April 2012.

The crime has now been unsolved for 12 years.

After 12 years, we are still asking: Was the motive racism?

Together with Burak’s family and friends, we want to commemorate Burak on 6 April at 3 pm on the anniversary of his death and invite you all to join us.

The family, friends and supporters have been fighting for 12 years for clarification and certainty: „There are many question marks. Many unanswered questions. We didn’t deserve a murder like this. Nobody deserves this. I want my son’s murderer from the responsible authorities,“ says Melek Bektaş, Burak’s mother.

It recently became public that 387 cases of right-wing extremist offences were not processed at the LKA Berlin. The head of the police department, who is now under internal investigation, was also the lead homicide investigator in the Burak Bektaş case.

Melek Bektaş asks: „With what conscience could this commissioner, as a representative of the state, look me in the eye and say, „Mrs Bektaş, I understand you very well. We are looking under every stone?“

The many unanswered questions about the investigation into Burak’s murder and a series of right-wing extremist offences in Neukölln have been the subject of a parliamentary committee of enquiry since 2022. We have long called for this committee of enquiry.

However, the results so far have been anything but satisfactory:

A striking number of witnesses from authorities systematically avoid answering important questions. For example, they „cannot remember“ relevant facts or have not been authorised to testify.

The presence of the AfD on the panel is an imposition and a security problem for those affected.

Burak’s murder will be dealt with by the Parliamentary Committee of Inquiry from mid-April.

We will critically observe and support the committee of enquiry.

Susmak yok. Mücadele var! In memory of Burak.

Aufruf zur Kundgebung am 6.4.2024 – 12 Jahre ohne Burak – 12 Jahre ohne Aufklärung

Gedenk-Kundgebung | Samstag, 6.4.2024 15:00 Uhr | Gedenkort Burak Bektaş | Rudower Straße / Möwenweg | Berlin-Neukölln (Süd)

„Wer Gedenken will, soll aufklären“.

Burak Bektaş wurde in der Nacht vom 4. auf den 5. April 2012 in Berlin-Neukölln vor dem Krankenhaus Britz erschossen. Die Tat wurde seit nunmehr 12 Jahren nicht aufgeklärt. Wir fragen nach 12 Jahren noch immer: War das Motiv Rassismus? Zusammen mit Buraks Familie und Freund*innen wollen wir Burak am 6.4. um 15 Uhr anlässlich seines Todestages gedenken und euch alle dazu einladen.

Die Familie, Freund*innen und Unterstützer*innen kämpfen seit 12 Jahren für Aufklärung und Gewissheit: „Es gibt viele Fragezeichen. Viele offene Fragen. So einen Mord haben wir nicht verdient. Niemand hat das verdient. Ich will von den verantwortlichen Behörden den Mörder meines Sohnes.“, so Melek Bektaş, Buraks Mutter.

Zuletzt wurde öffentlich, dass im LKA Berlin 387 Fälle rechtsextremer Straftaten nicht bearbeitet wurden. Der Kommissariatsleiter, gegen den nun intern ermittelt wird, war auch leitender Mordermittler im Fall Burak Bektaş. Hierzu fragt Melek Bektaş: „Mit welchem Gewissen konnte dieser Kommissar, als ein Vertreter des Staates, mir in die Augen schauen und sagen, „Frau Bektaş, ich verstehe Sie sehr gut. Wir suchen unter jedem Stein?“

Den vielen offenen Fragen zu den Ermittlungen im Mord an Burak und einer Serie an rechtsextremen Straftaten in Neukölln soll seit 2022 in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss nachgegangen werden. Diesen Untersuchungsausschuss haben wir lange gefordert. Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings alles andere als zufriedenstellend: Auffallend viele Zeug*innen aus Behörden vermeiden es systematisch, wichtige Fragen zu beantworten. Sie können sich beispielsweise an relevante Sachverhalte „nicht erinnern“ oder es liegen keine Aussagegenehmigungen vor. Die Präsenz der AfD in dem Gremium ist eine Zumutung und ein Sicherheitsproblem für die Betroffenen.

Der Mord an Burak wird ab Mitte April im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss behandelt. Wir werden den Untersuchungsausschuss kritisch beobachten und begleiten. Bitte kommt zu den Ausschusssitzungen im Berliner Abgeordnetenhaus. Kommt zu unseren Kundgebungen davor und stellt mit uns eine kritische Öffentlichkeit her. Gemeinsam machen wir Druck und machen klar, dass es keine Ruhe geben wird, bis der Mörder von Burak zur Verantwortung gezogen wurde – und bis aufgeklärt wurde, wieso die Aufklärung so lange auf sich warten lässt.

Susmak yok. Mücadele var! In Erinnerung an Burak.

PM des Solidaritäts-Netzwerks von Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden rechter, rassistischer, antisemitischer Morde und Gewalt aus ganz Deutschland

„Wer gedenken will, soll aufklären!“ (Melek Bektaş)

Berlin, 11.03.2024

„Unsere Politiker und Politikerinnen wollen nicht hinschauen und nicht hinhören“, sagte İsmet Tekin bei der ersten Pressekonferenz des Solidaritäts-Netzwerks von Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden rechter, rassistischer, antisemitischer Morde und Gewalt aus ganz Deutschland. Die Pressekonferenz fand anlässlich des dritten von der Bundesregierung ausgerufenen nationalen Gedenktages für Opfer terroristischer Gewalt statt. Seit 2022 trifft sich das Netzwerk regelmäßig. Tekin verwies aber auf die zum Teil Jahrzehnte langen solidarischen Verbindungen von Angehörigen und Überlebenden: „Alles was ihr hier seht, ist Kraft, Wut, Mut und Hoffnung. Das ist nicht einfach zustande gekommen, das hat sich über Jahre angesammelt.“ İsmet Tekin ist Überlebender des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags von Halle und Wiedersdorf vom 9.Oktober 2019, Yom Kippur 5780.

Malek Ahmads Sohn Amed wurde unschuldig inhaftiert und ist bei einem bislang ungeklärten Brand am 29.September 2018 in der JVA Kleve umgekommen. Für Malek Ahmad ist diese erste gemeinsam ausgerichtete Pressekonferenz des Netzwerks nur „ein Anfang und nicht das Ende. Wir werden unsere Ziele erreichen, wenn nicht heute, dann morgen. Wir müssen nur Druck ausüben auf die deutsche Regierung.“ Diese Meinung teilten alle Angehörigen und Überlebenden. Denn auf der Pressekonferenz wurde insbesondere die Gedenkpraxis der Regierung zum Tag der Opfer von Terrorismus kritisiert. Ayşe A, die den Nagelbombenanschlag des NSU am 9. Juni 2004 auf die Kölner Keupstraße überlebte, erklärte: „Die meisten Opfer, die ich persönlich aus der Erinnerungs- und Vernetzungsarbeit kenne, sind nicht eingeladen worden, weil der deutsche Staat sie nicht als Opfer von rechter Gewalt anerkennt. Dies finde ich enttäuschend und respektlos.“

„Wenn ich nicht eingeladen werde“, so Aynur Satır,“bedeutet das für mich, dass Sie von mir als Betroffene nichts hören und nichts wissen wollen. Ich lasse mich aber nicht zum Schweigen bringen. Es reicht, dass immer noch rassistische Gewalt passiert. Anschläge, Polizeigewalt, junge Menschen, die ermordet werden. Wofür muss das immer wieder passieren? Wie lange sollen wir noch um die Anerkennung kämpfen?“ Da der rassistische Anschlag am 26. August 1984 in Duisburg als solcher nicht offiziell anerkannt wird, mache sie immer wieder die Erfahrung von staatlicher Seite, „dass meiner Perspektive keine Wichtigkeit gegeben wird.“ Aynur Satır verlor sieben Familienmitglieder. Ihr Vater verstarb kurz darauf, da er stark unter den Folgen des rassistischen Brandanschlags litt.

Mamadou Saliou Diallo, dessen Bruder Oury Jalloh am 7.Januar 2005 in Dessau in Polizeigewahrsam ermordet wurde, forderte, dass „heute ein Tag für alle Opfer von Gewalt in Deutschland sein [sollte]. Es geht nicht um eine Kategorisierung, Trennung oder Privilegierung der Opfer untereinander. Alle Opfer haben die gleichen Schmerzen, die gleichen Leiden und der Staat muss dies verstehen.“ Angehörige der Ermordeten von Polizeigewalt werden beim Gedenktag an Terroropfer von vornherein ausgeschlossen. Yasemin Kılıç kritisierte daher, dass ein Tag der „die verschiedenen Opfergruppen unter dem Schirmbegriff „Terror“ gleichsetzt, nicht spezifisch genug [ist]. Ein solcher Tag wird den individuellen Herausforderungen und Bedürfnissen der Opfer nicht gerecht.“ Yasemin Kılıç verlor ihren Sohn Selçuk am 22.Juli 2016 beim rassistischen Terroranschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München. Sie betonte zudem, dass Gedenkveranstaltungen „konkretes Handeln“ besprechen sollten und kritisierte konkret die Begutachtungen im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes als „demütigend und entwürdigend“. Kılıç forderte bedingungslose Unterstützung.

Talya Feldman schließt sich dieser Kritik an: „Ein Gedenken, das keine dringende Veränderung verlangt, keine Verantwortung einfordert, nicht zum Handeln aufruft oder gar die systemischen Strukturen von Rassismus und Antisemitismus in dieser Gesellschaft anerkennt, ist kein Gedenken. Ein Gedenken, das die Kontinuitäten der Gewalt, die wir erleben und die uns umbringt, nicht beendet, ist kein Gedenken.“ Talya Feldman ist Künstlerin, Aktivistin und Überlebende des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags von Halle und Wiedersdorf am 9. Oktober 2019, Yom Kippur 5780.

Auch İbrahim Arslan kritisiert die Regierung im Umgang mit Betroffenen: „Die Bundesregierung muss einfach akzeptieren, dass sie den Dreiklang von Wissen, Können und Haltung nur im Zusammenhang mit Betroffenen erfassen können. Nur im Dialog mit dem Wissen der Betroffenen funktionieren Aufklärungen. Sie werden ohne das Wissen von Rassismus-Betroffenen keine rassistische Gewalt und ihre Dimension erfassen können.“ İbrahim Arslan kämpft als Überlebender des rassistischen Brandanschlags in Mölln am 23.November 1992 mit seiner Familie seit Jahrzehnten für die Zentrierung der Betroffenenperspektive. Er verlor seine Großmutter Bahide Arslan, seine Schwester Yeliz Arslan und seine Cousine Ayşe Yılmaz bei dem Brandanschlag.

Dass politisches Handeln seitens der Regierung dringend nötig ist, formuliert auch Melek Bektaş prägnant: „Wer gedenken will, soll aufklären.“ Am 5. April 2012 wurde ihr Sohn Burak Bektaş in Berlin erschossen. Die Hinweise verdichten sich auf ein rassistisches Tatmotiv, trotz unzureichender Ermittlungen und der Verschleppung von Aufklärung. Melek Bektaş fordert: „Ich will von den verantwortlichen Behörden den Mörder meines Sohnes. Das ist das Einzige, was ich zu sagen habe.“

Außerdem positionierte sich das Solidaritäts-Netzwerk gegen die zunehmende Spaltung durch den Rechtsruck, sowie das gegeneinander ausspielen von Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus. Naomi Henkel-Guembel, Verhaltenstherapeutin und Überlebende des Tatkomplexes Synagoge des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags in Halle und Wiedersdorf, erklärte hierzu: „Trotz der aktuellen Versuche, uns zu spalten und Allianzen zu brechen, ist es entscheidend, dass wir in dieser Zeit zusammenhalten. Wir weichen nicht zurück. Es ist wichtig, uns immer wieder daran zu erinnern, wie essenziell unser Zusammenhalt ist. Unsere Stärke liegt darin, nicht nachzugeben und füreinander einzustehen, um eine Gesellschaft zu formen, die rechten und menschenfeindlichen Ideologien keinen Raum gibt.“ Wie Naomi Henkel-Guembel betonten viele weitere Angehörige und Überlebende den Zusammenhalt in ihren Beiträgen. So auch auch Sibel İşini, die einen Brandanschlag auf ihre Wohnung am 21.Oktober 2021 in Solingen überlebte. Trotz eindeutiger Hinweise auf ein rassistisches Motiv bleibt die Tat unaufgeklärt und unbeachtet. Umso deutlicher bleiben Sibel İşinis Worte in Erinnerung: „Wir werden nicht schweigen und wir werden unsere Stimme immer erheben.“

Auf dem Podium bei der Pressekonferenz haben fünf Angehörige und Überlebende aus dem Solidaritäts-Netzwerk live gesprochen:

  • Malek Ahmad – ist Vater des jungen Kurden Amed Ahmad. Amed Ahmad wurde unschuldig inhaftiert und ist am 29.September 2018 durch einen bislang ungeklärten Brand in der JVA Kleve gestorben.Yasemin Kılıç – Ihr Sohn Selcuk Kılıç wurde am 22. Juli 2016 bei dem rechtsterroristischen Anschlag am Olympiaeinkaufszentrum in München ermordet.
  • Mamadou Saliou Diallo – ist der Bruder von Oury Jalloh. Oury Jalloh wurde am 7.Januar 2005 in einer Dessauer Zelle von Polizisten verprügelt und verbrannt.
  • Melek Bektaş – ist die Mutter von Burak Bektaş. Der Mord an Burak in Berlin wurde am 5. April 2012 begangen und ist bis heute nicht aufgeklärt.
  • İsmet Tekin – ist Überlebender des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags von Halle und Wiedersdorf vom 9. Oktober 2019, Yom Kippur 5780.

Von sechs weiteren Angehörigen, Betroffenen und Überlebenden wurden Beiträge verlesen oder per Audiobotschaften abgespielt:

  • Aynur Satır – ist Überlebende des rassistischen Brandanschlags vom 26. August 1984 in Duisburg.Naomi Henkel-Guembel – ist Überlebende des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags von Halle und Wiedersdorf vom 9.Oktober 2019, Yom Kippur 5780.
  • Sibel İşini – ist Überlebende des Brandanschlags vom 21.10.2021 in Solingen.
  • İbrahim Arslan – ist Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln am 23. November 1992.
  • Ayşe A. – ist Überlebende des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004.
  • Talya Feldman – ist Überlebende des antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Anschlags von Halle und Wiedersdorf vom 9. Oktober 2019, Yom Kippur 5780.