Remembering Luke Holland – zum 11. Jahrestag seines Todes, am 20.09.2026

Redebeitrag der Burak-Ini
Die ungeklärte extrem rechte Terrorserie in Neukölln und die Morde und Mordversuche an Burak Bektaş und seinen Freunden und der Mord an Luke Holland waren für uns Anlass, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu fordern. Es sollte untersucht werden, weshalb die Berliner Ermittlungsbehörden die rechte, rassistische und antisemitische Terrorserie in Neukölln nicht aufgeklärt und nicht gestoppt haben. Warum der Mord an Burak Bektaş nicht aufgeklärt wurde und warum das Berliner Landgericht den Mord an Luke Holland zu einem Mord ohne Motiv erklärte und damit ein offensichtlich extrem rechtes Motiv eines Täters, der ein Nazi ist, ignorierte.
Wenn wir nun aber in den Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses schauen, sehen wir eine Wüste von Zitaten von Polizeibeamten, Staatsanwälten etc. Diese werden aber nicht ausgewertet, keine Schlußfolgerungen gezogen. Es gibt kaum kritische Analysen geschweige denn den Versuch möglicher politischer Einordnungen.
Unsere Bilanz ist, dass der Parlamentarische Untersuchungsausschuss seinen Auftrag, zu untersuchen, weshalb die extrem rechte, rassistische Terrorserie in Neukölln nicht aufgeklärt worden ist, nicht erfüllt hat.
Dies ist heute, am Todestag von Luke Holland, besonders bitter. Vor 11 Jahren wurde Luke ermordet.
Wer war Luke, wen haben wir verloren?
Luke Holland ist am 04.04.1984 in Manchester geboren und war zum Zeitpunkt seiner Ermordung 31 Jahre alt. Nach seinem Jurastudium lebte er zunächst in Oxford und kam dann nach einem Japan-Aufenthalt nach Berlin. Hier galt seine Haupttätigkeit der juristischen Beratung junger Start-ups.
Lukes Vater Phil Holland schilderte während des Gerichtsprozesses wie Luke war: […] „Er war, und hätte es weiter sein sollen: intelligent, lustig, schwerarbeitend, hilfsbereit und fürsorglich. Ich wusste nicht wie fürsorglich und beliebt, bis mehr als 300 Menschen an seiner Beerdigung teilnahmen, deren Mehrheit ich nicht kannte. […] Luke hat so hart daran gearbeitet, sein Leben und das Leben anderer Menschen zu verbessern. […] Nach seinem Leben in einem hochrangigen (oder großen) Unternehmen war er endgültig dort angekommen, wo er schon immer sein wollte: er wollte junge Start-ups unterstützen und er entschied sich dafür, dies in Deutschland zu tun. Er hat 10 Unternehmen in München bei der Gründung geholfen, die jetzt erfolgreich sind. Er war Mitgründer eines Unternehmens in Berlin, das heute 14 Mitarbeiter beschäftigt. […] Luke war ein Geschenk für Deutschland und Berlin, eine Stadt, die er liebte und die sehr sicher war, wie er uns oft informierte, aber leider nicht für unseren Sohn.“
 
Matt T. aus Japan sagte „Luke und ich teilten von 2006 bis 2007 in Japan eine Wohnung und sind seitdem enge Freunde geblieben. Luke hatte einen großen, positiven Einfluss auf mein Leben.“
 
Brian and Linda Keech, Lukes Tante und Onkel sagten „Unser geliebter Neffe Luke. Mit all deinen großartigen Leistungen, allen den Leben, die du beeinflusst hast, all den Menschen, die du unterstützt und ermutigt hast und all den Herzen, die Du berührt hast, warst du viel zu jung, um von dieser Welt zu gehen.“
Rita Holland, Lukes Mutter, nahm sich am 21.10.2019 das Leben, weil sie den Schmerz über den Mord an ihrem Sohn nicht länger ertragen konnte. Auch ihr möchten wir heute gedenken.
 
*** Schweigeminute ***
 
Der Mörder Rolf Zielezinski wurde zu einer reduzierten Strafe verurteilt, statt 15 Jahre Haft für Mord wurde er zu 11 Jahren Haft und 7 Monaten verurteilt. Als strafmindernd wurde ihm angerechnet, dass er getrunken hatte, ebenso wie die Einschätzung, dass kein politisches Motiv nachzuweisen sei.
Das bedeutet: im April 2027 müsste er aus der Haft entlassen werden.
Genau wissen wir das nicht, denn die Staatsanwaltschaft verweigert bisher die Information. Dieser Umgang der Ermittlungsbehörden ist skrupellos. Die Ungewissheit treibt Familie, Angehörige und Freund*innen von Burak und Luke, Zeug*innen, die gesamte Community und uns um.
Wenn der Mord an Burak richtig ermittelt worden wäre, könnte Luke heute noch leben, davon sind bzw. waren die Eltern von Luke und Burak überzeugt.
Die Möglichkeit besteht, dass Lukes Mörder auch Burak ermordet hat. Für diese Tat musste der Täter noch keine Strafe verbüßen.
Deshalb wollen und müssen wir uns weiter einsetzen für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş.
An Luke werden wir immer erinnern.
Niemand wird vergessen!