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Gemeinsame Pressemitteilung: Erkenntnisse aus dem Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex stehen im Widerspruch zur ASOG-Novelle!

Erklärung zivilgesellschaftlicher Beobachter*innen des Untersuchungsausschusses „Neukölln II“ zur Novellierung des Berliner ASOG:

Berliner Abgeordnete konterkarieren sich selbst – Erkenntnisse aus dem Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex stehen im Widerspruch zur ASOG-Novelle

Zu Beginn dieser Legislaturperiode hat das Berliner Abgeordnetenhaus einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) eingesetzt, der unter anderem aufklären soll, warum die Sicherheitsbehörden im sogenannten Neukölln-Komplex nicht erfolgreich waren. Nach der Wiederholungswahl hat das Parlament diesen Einsetzungsbeschluss mit dem Stimmen der Regierungskoalition und der demokratischen Opposition bestätigt.

Statt den Abschlussbericht abzuwarten und die Ergebnisse des PUA zu berücksichtigen, wird jetzt eine erneute Novellierung des Allgemeine Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Berlin (ASOG) von der Regierungskoalition durchgezogen. Damit entwerten und ignorieren die Abgeordneten der Koalition auch den Untersuchungsauftrag des PUA und die vielen Stunden Arbeit der Ausschussvertreter*innen.

Das ASOG-Gesetzespaket für Berlin wurde maßgeblich vom Berliner Senat unter Führung der Regierungskoalition aus SPD und CDU vorangetrieben. Das sind genau die Parteien, die sich vor und im Untersuchungsausschuss nicht oder wenig um die Aufklärung der extrem rechten Terrorserie in Neukölln bemüht haben.
Grundsätzliche und detaillierte Kritik am Ausbau der Überwachungsbefugnissen für die Polizei und der Einschränkung von Grundrechten durch die ASOG-Novelle haben juristische Vereinigungen und demokratische Organisationen vorgebracht. Auch die Erkenntnisse aus dem PUA sprechen die ASOG-Novelle.

Nach den Aussagen der Sicherheitsbehörden im PUA scheiterten der Schutz Betroffener und die Ermittlungen im Neukölln-Komplex weder an der technischen oder personellen Ausstattung noch an Überwachungsmöglichkeiten. An vielen Tatorten gab es Videoaufzeichnungen von Dritten, die die Polizei für ihre Ermittlungen und Beweissicherung gar nicht genutzt hat. Und beim einzigen polizeilichen Video-Einsatz funktionierte die Kamera nicht, als es zu einem Anschlag kam. Wie wenig mehr Überwachungsmaßnahmen und Eingriffe in Grundrechte zur Sicherheit beitragen, verdeutlichten die PUA-Befragungen des Verfassungsschutzes (VS), der bereits über umfassende nachrichtendienstliche Mittel verfügt. Es gab umfassendes Überwachungsmaterial über Täter und Netzwerke, dessen Auswertung aber offenbar nicht zuletzt an deren Fülle scheiterte. Der VS musste eingestehen, dass er selten über mehr Informationen als zivilgesellschaftliche Initiativen verfügte und diese für ihn die wichtigsten Quellen sind.

Zum Neukölln-Komplex gehört auch, dass gesperrte personenbezogene Informationen an Täter gelangten. Bei 27.000 Berliner Polizist*innen könne nicht garantiert werden, dass Daten und Kompetenzen nicht missbraucht würden, wurde dazu im PUA erklärt. Gefährdeten mangelnder Datenschutz und unzureichende Bekämpfung rechter Netze in der Polizei bereits bisher schon Menschen aus der Zivilgesellschaft, erhöht sich dieses Gefahrenpotential mit dem neuen ASOG enorm.

Auch wir als zivilgesellschaftliche Beobachter*innen des PUA sehen dringenden Reformbedarf bei den Sicherheitsbehörden. Ineffektive Strukturen müssen ab- statt ausgebaut und eine wirksame demokratische Kontrolle geschaffen werden. Wir fordern, dass der PUA in seinem Abschlussbericht entsprechende Maßnahmen vorschlägt. Diese müssen Grundrechte und Rechtsstaat stärken. Diese ASOG-Novelle der Regierungskoalition tut das Gegenteil und muss deshalb gestoppt werden!

Zivilgesellschaftliche Beobachter*innen des Untersuchungsausschusses zum Neukölln-Komplex

Grußbotschaft zum 33. Jahrestag des Gedenkens an die rassistischen Brandanschläge von Mölln

Liebe Familie Arslan, Liebe Familie Yılmaz, Liebe solidarische Menschen,

Wir sind heute hier, weil wir niemals vergessen, und niemals vergessen werden Mölln 1992. Wir erinnern an eurer Seite Bahide, Ayşe und Yeliz, euren Liebsten. Die Vorabende der rassistischen Brandanschläge in Mölln – wir können es nicht vergessen. Die Pogrome im August in Rostock-Lichtenhagen, wie der Staat gewähren ließ, der faschistische Mord an Silvio Meier zwei Tage vor Mölln1992 in Berlin, wir werden nicht vergessen. Weil faschistische Angriffe nicht vergessen werden dürfen.
Seit der Wiedervereinigung sind rassistische, antisemitische, rechte und faschistische Morde, Brandstiftungen und Angriffe bittere Realität in Deutschland: Hoyerswerda, Mölln, Lübeck, Hamburg, NSU, München, Halle Hanau – die Liste ist lang. Die Morde des NSU, der Mord an Oury Jalloh, die Morde hier in Mölln und viele andere Morde zeigen immer wieder die Rolle von Staat und Politik. Und wir sehen immer wieder: Staat und Nazis Hand in Hand. Rassistische/Rechte Morde sind in Deutschland institutionell verankert. Denn Polizei, Justiz, Verfassungsschutz und Politik versagen immer wieder – oder schauen weg.

Seit 1990 zählt die Zivilgesellschaft mindestens 239 Todesopfer rechter Gewalt.
Offiziell anerkannt sind nur 117. Die Zahl rechter Straftaten steigt, aber der Staat verharmlost und leugnet. In Berlin befasst sich endlich ein Untersuchungsausschuss mit dem sogenannten Neukölln-Komplex – den Brandanschlägen und Angriffen auf antifaschistisch Engagierte und den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland. Doch was kam heraus?

Von Anfang an wurde in Buraks Fall nicht in Richtung eines rassistischen Motivs ermittelt. Die Ermittlungen wurden verschleppt, Akten wurden zurückgehalten, Verantwortliche wurden sogar befördert. Die Staatsanwaltschaft sprach beim Mord an Burak von einem „perfekten Mord“. Das ist keine Erklärung – das ist Kapitulation!
Und obwohl der Mörder von Luke Holland ein Nazi war, wurde er ohne ein Mordmotiv verurteilt. Behörden, Politik und Justiz wollen nicht aufklären, wollen nicht die Dinge beim Namen nennen.
Würden sie denselben Eifer, mit dem sie institutionellen Rassismus leugnen, in die Aufklärung rassistischer Morde stecken – vieles wäre längst aufgeklärt.
Das Versagen der Behörden ist kein Zufall – es ist strukturell.

Damals wie heute wird mit rassistischer Hetze Wahlkampf geführt von Seiten der CDU und die SPD hält still. Mittlerweile sitzen Faschisten in den Parlamenten. Aber: Wir lassen nicht locker. In Solidarität, mit unserer Geduld und Entschlossenheit werden wir weiterkämpfen – für Aufklärung, Gerechtigkeit und Erinnerung und Konsequenzen. Solange es keine Konsequenzen gibt, wird es weitergehen. Eins ist sicher: Die Angehörigen der Opfer rassistischer und faschistischer Morde und Gewalt und Betroffenen und solidarische Menschen, wir erinnern und wir kämpfen.
Die Erwartungen der Mörder werden enttäuscht.
An der Stelle, an der Burak ermordet wurde, steht heute die Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“. Als Zeichen des Widerstands Gedenken wir Silvio Meier. Und wir erinnern Bahide Arslan, Ayşe Yılmaz und Yeliz Arslan.
Kein Vergeben – Kein Vergessen! No pasarán!

In Gedenken an die Opfer rechter Gewalt – Silvio Meier Mahnwache 21.11.2025

Redebeitrag der Burak Initiative

Hallo liebe Antifaschisti*nnen,

wir sind heute hier, weil der faschistische Mord an Silvio Meier nicht vergessen werden darf.
Wir sind hier, weil faschistische Angriffe nicht vergessen werden dürfen.
Freundinnen und Freunde von Silvio wurden schwer verletzt – und Silvio wurde nur wenige Meter von hier ermordet.

Die Polizei griff damals nicht ein.
Die Täter wurden nur wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“ verurteilt – das Gericht sprach von „jugendtypischen Verfehlungen“.
Das war und ist ein Skandal!

Seit der Wiedervereinigung sind rassistische, antisemitische, rechte und faschistische Morde, Brandstiftungen und Angriffe bittere Realität in Deutschland:
Mölln, Hoyerswerda, Lübeck, Hamburg, NSU, Hanau, Halle, München – die Liste ist lang.

Die Morde des NSU, der Tod von Oury Jalloh und viele andere Fälle zeigen:
Rassistische Morde sind in Deutschland institutionell verankert.
Denn Polizei, Justiz, Verfassungsschutz und Politik versagen immer wieder – oder schauen weg.

Seit 1990 zählt die Zivilgesellschaft mindestens 239 Todesopfer rechter Gewalt.
Offiziell anerkannt sind nur 117.
Die Zahl rechter Straftaten steigt, aber der Staat verharmlost und leugnet.

In Berlin befasst sich endlich ein Untersuchungsausschuss mit dem sogenannten Neukölln-Komplex – den Brandanschlägen und Angriffen auf antifaschistisch Engagierte und den Morden an Burak Bektaş und Luke Holland.
Doch was kam heraus?
Von Anfang an wurde in Buraks Fall nicht in Richtung eines rassistischen Motivs ermittelt.
Die Ermittlungen wurden verschleppt, Akten wurden zurückgehalten, Verantwortliche wurden sogar befördert.

Die Staatsanwaltschaft sprach beim Mord an Burak vom „perfekten Mord“.
Das ist keine Erklärung – das ist Kapitulation!

Und obwohl der Mörder von Luke Holland ein Nazi war, wurde er ohne Motiv verurteilt.
Das zeigt:
Behörden, Politik und Justiz wollen nicht aufklären.

Würden sie denselben Eifer, mit dem sie institutionellen Rassismus leugnen, in die Aufklärung rassistischer Morde stecken – vieles wäre längst aufgeklärt.

Darum sagen wir:
Das Versagen der Behörden ist kein Zufall – es ist strukturell.
Und solange es keine Konsequenzen gibt, wird es weitergehen.

Aber: Wir lassen nicht locker.
Mit eurer solidarischen Unterstützung, mit unserer Geduld und Entschlossenheit werden wir weiterkämpfen – für Aufklärung, Gerechtigkeit und Erinnerung.

Denn eins ist sicher:
Die Erwartungen der Mörder wurden enttäuscht.
An der Stelle, an der Burak ermordet wurde, steht heute die Skulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“.
Ein Zeichen des Widerstands und der Erinnerung.
Und hier gibt es heute eine Silvio Meier Straße.

Darum rufen wir gemeinsam:

Nicht vergessen!
Nicht vergeben!
No pasarán!

Grußbotschaft der Burak-Ini zur Einweihung der Gedenktafel, die an das Überleben von B. Efe erinnern soll

Lieber Efe, liebe Efe-Soli-Gruppe und liebe engagierte Freundinnen und Freunde,
es ist soweit: heute wird die Gedenktafel eingeweiht in Erinnerung an den rassistischen Mordversuch an B.Efe sowie in Erinnerung aller Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. 
Die Tafel verurteilt den rassistischen Mordversuch auf unseren Freund Efe und ist Symbol des Kampfes gegen Rassismus – für Anerkennung rechter, rassistischer Gewalt sowie Konsequenzen daraus. 
Wir danken von Herzen allen, die in diesem Kampf mitgewirkt und Widerstand geleistet haben.
Dieser Erfolg zeigt erneut: Kein rassistischer Angriff wird unbeantwortet bleiben.
Niemand, der von Rassismus und rechter Gewalt betroffen ist und keine Angehörigen der Opfer werden allein gelassen –  niemand wird vergessen werden!
Kassel ist die Stadt, in der wir Halit Yozgat erinnern, dem letzten offiziell bekannten Opfer der NSU Morde. 
Kassel ist auch Symbol des Kampfes gegen den NSU 2.0. In Kassel wurde auch Walter Lübke ermordet. Dessen Mörder wurde bei Gericht bezüglich des Mordversuchs – ebenfalls in Kassel – an Ahmed I. freigesprochen, da das Gericht keine ausreichenden Beweise für eine Verurteilung habe finden können. Wie das Gericht jedoch das Blut von Ahmed I. an einem Messer im Haus des Täters erklärt, ist nicht nachvollziehbar. 
Rassistische und rechte Morde und Gewalt haben System. Dem behördlichen Versagen ist diese Tafel ein Mahnmal.  
Efe B. muss von den offiziellen Stellen als Opfer von Rassismus anerkannt und schnellstmöglich entschädigt werden.
Efe B., du bist nicht allein!
Wir solidarisieren uns mit allen Opfern des Rassismus und rechter Gewalt und wir erinnern jene, die in diesem Kampf ihr Leben verloren haben.
Wir haben nicht vergessen! Wir werden nicht vergessen!
Erinnern heißt kämpfen!
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, Berlin.

Redebeitrag der Burak-Ini zum 6. Jahrestag des Anschlags in Halle/S.

150 Menschen nahmen an der Gedenkkundgebung zum 6. Jahrestag des Anschlags von Halle/S. und Wiedersdorf an der Kundgebung am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg teil. Wir konnten einen Redebeitrag zur Kundgebung beitragen.

Initiative Antisemitismus und Rassismus gemeinsam bekämpfeninstagram von Initiative Antisemitismus und Rassismus gemeinsam bekämpfen

Liebe Angehörige, liebe Überlebende und Betroffene, liebe Soligruppe 9. Oktober, liebe jüdische Gemeinde, liebe solidarische Menschen,
heute erinnern wir gemeinsam an den antisemitischen, rassistischen und misogynen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle und Wiedersdorf.
Wir gedenken den beiden Ermordeten. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, Freund*innen, den Überlebenden und allen, die von diesem Terror betroffen sind.
Wir möchten unser tiefes Mitgefühl ausdrücken – auch gegenüber jenen, die aktuell erneut betroffen sind, wie durch den Anschlag auf die Synagoge in Manchester an Yom Kippur vor wenigen Tagen. Wir gedenken auch den Opfern dieses erschütternden Anschlags.

Es sind nun 6 Jahre des Erinnerns, des Widerstands und des Kampfes. Ihr setzt Zeichen. Sie sind unübersehbar. Sie sind unüberhörbar.
Mit dem TEKIEZ habt ihr einen ganz besonderen Ort der Solidarität geschaffen, ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus, einen Raum für Begegnung und gegenseitiges Zuhören.
Es ist euch immer wichtig, die unterschiedlichen Tatmotive für den Anschlag von Halle und Wiedersdorf zu benennen: Antisemitismus, Rassismus und Misogynie. Der Spaltung von jüdischen und muslimischen Menschen seid ihr so von Anfang an entgegengetreten.

Gerade nach dem 7. Oktober 2023, den Angriffen der Hamas und dem Krieg in Gaza erleben wir, wie Antisemitismus und Rassismus gegeneinander ausgespielt werden. Die so genannte Staatsräson wird dabei oft als Vorwand genutzt, um innenpolitisch repressiv zu handeln, statt jüdisches Leben wirklich zu schützen. Das führt zu einer weiteren Spaltung und einem Anstieg von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus.
Betroffene sind keine Statisten. Sie sind aktiv: Sie klären auf, fordern Gerechtigkeit, leisten Erinnerungsarbeit. Das sehen wir in Hanau, in München, in Mölln – und hier in Halle.
Ein Beispiel ist die interaktive Timemap, die u. a. von Talya Feldmann mitentwickelt wurde. Sie macht deutlich: Der Anschlag von Halle war kein Einzelfall, sondern eingebettet in eine Kontinuität rechten Terrors, bei dem Online-Radikalisierung eine wichtige Rolle spielt. Christchurch, El Paso, Poway, Oslo – es finden sich zahlreiche Parallelen.

Erschreckend ist, dass Behörden kaum Wissen darüber haben und diese Verbindungen schwer erkennen – oder dies nicht wollen. So erklärte das BKA selbst, Zusammenhänge dieser Art zu erkennen, sei „nicht ihre Aufgabe“. Diese Ignoranz kennen viele Betroffene. Sie erleben nicht nur den Terror selbst, sondern auch das wiederholte institutionelle Versagen danach.
Alle Betroffenen müssen mit dieser schwierigen und belastenden Situation ihre eigenen Umgangsweisen finden.

Philipp Holland hat anlässlich des 10. Todestages seines Sohnes Luke einige seiner Gedanken und Gefühle mit uns geteilt. Luke Holland wurde 2015 von einem Nazi in Berlin-Neukölln ermordet, weil er Englisch sprach. Auf seinen Mörder hatte es bereits bei den Ermittlungen zu dem bis heute nicht aufgeklärten Mord an Burak Bektaş einen Hinweis gegeben.
Philipp Holland sagte:
„Ritas Leben und mein Leben sind seit diesem Tag vorbei. Seitdem ist es sehr schwer gewesen. Rita ist nur vier Jahre nach Luke gestorben. Sie konnte den Schmerz und den Kummer, ohne unseren Sohn leben zu müssen, nicht mehr ertragen. (…) ich versprach ihr, dass ich versuchen würde, am Leben zu bleiben, um zu sehen, wie hoffentlich für den Mord an Burak gegen Zielezinski ermittelt wird, und er angeklagt und strafrechtlich verfolgt wird.
Wenn von Anfang an ordnungsgemäß gegen ihn ermittelt worden wäre, (…) wäre ich nicht in dieser Lage. Und Rita und Luke wären noch am Leben.“

Diese Worte tragen tiefe Trauer – aber auch Wut, den Wunsch nach Gerechtigkeit und den Auftrag an uns alle, uns für Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen einzusetzen.

Viele von euch kennen all diese Gefühle. Und ihr beschreibt immer wieder, dass die Vernetzung mit anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen teilen, neben der Schwere, die ihr teilt, auch Kraft gibt. Ihr solidarisiert euch, hört euch gegenseitig zu, erhebt gemeinsam eure Stimme, stellt Zusammenhänge heraus, klagt an, kämpft für Aufklärung und sucht selbstbestimmt nach Wegen der Erinnerung und des Gedenkens.
Ohne die Narrative von Betroffenen ist Erinnerungskultur inhaltsleer.

Anastassia Pletoukhina, Überlebende des Anschlags von Halle und Wiedersdorf, sagt:
„Erinnern bedeutet für mich, in Verbindung mit mir, den anderen Betroffenen und der gesamten Gesellschaft zu sein. Es schafft neue Perspektiven und ermöglicht Wachstum und somit eine gemeinsame Zukunft. Vergessen und verdrängen sind Kluft-schaffende Verleugnung, in die wir als Gesellschaft unvermeidlich hineinfallen werden.“
In diesem Sinne lasst uns gemeinsam Erinnern, miteinander in Verbindung sein, unterschiedliche Perspektiven hören und zusammen an einer gemeinsamen Zukunft bauen.
Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus geht uns alle an.
Wir überlassen den Rechten und ihren Ideologien nicht das Feld – und auch nicht die Deutungshoheit.
Wir lassen uns nicht spalten. Unsere Kraft ist eure Solidarität!

Neues ASOG während der PUA Neukölln-Komplex nicht abgeschlossen ist

Die CDU-SPD-Regierung Berlins will das ASOG, das allgemeine Sicherheits und Ordnungsgesetzt, verschärfen. Also der Polizei mehr Möglichkeiten zum Eingriff in Grundrechte der Bürger:innen geben wie Videoüberwachung und Staatstrojaner. Während der PUA / Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum „Neukölln-Komplex“ noch läuft. Bei dem PUA „Neukölln-Komplex“ geht es darum, weshalb die Straftaten einer relativ kleinen Naziszene in Neukölln durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Staatsschutz und Verfassungsschutz nicht gestoppt werden konnten.
Bei den öffentlichen Sitzungen des PUA „Neukölln-Komplex“ hatten wir eher den Eindruck, dass es an Kontrolle der Polizei mangelt und nicht an Eingriffsmöglichkeiten der Polizei.

Hier 2 ausführliche Artikel von netzpolitik.org:

und 2 Stellungnahmen

Grußworte der Omas gegen Rechts Berlin

Lieber Herr Holland,

wir möchten Ihnen unser tiefstes Mitgefühl sowie unsere vollste Solidarität aussprechen.
Der Schmerz, der durch den Tod des eigenen Kindes entsteht, ist unermesslich.
Durch eine so grausame, menschenverachtende Tat noch unerträglicher.
Seien Sie versichert, dass Ihr Sohn und Ihre Frau, die letztlich auch ein Opfer des Täters wurde, nicht vergessen werden.
Auch die überlebenden Freunde, Freundinnen, Angehörige, sie alle sind Opfer solch schrecklicher Taten.
Wir werden unermüdlich dafür einstehen, dass solche Taten nicht vergessen, die Täter bestraft werden.
Wir kämpfen für ein Miteinander, für gegenseitige Akzeptanz und gegen Ausgrenzung, gegen Menschenverachtung, damit es solche Morde NIE WIEDER gibt.
Wir gedenken Ihrem Sohn Luke Holland und senden Ihnen solidarische, mitfühlende Grüsse

Omas gegen Rechts Berlin

–English:

Dear Mr. Holland,

We would like to express our deepest sympathy and fullest solidarity.
The pain caused by the death of one’s own child is immeasurable.
It is made even more unbearable by such a cruel, inhuman act.
Rest assured that your son and your wife, who ultimately also fell victim to the perpetrator, will not be forgotten.
The surviving friends and relatives, they all are also victims of such terrible acts.
We will work tirelessly to ensure that such acts are not forgotten and that the perpetrators are punished.
We fight for coexistence, mutual acceptance and against exclusion and contempt for humanity, so that such murders NEVER HAPPEN AGAIN.
We remember your son Luke Holland and send you our solidarity and sympathy.

Omas gegen Rechts Berlin

Rede von Mandy Boulgarides am 20.09.2025

Mandy Boulgarides, Tochter von Theodorus Boulgarides, einer der 9 Mordopfer des NSU-Komplex: „Luke wurde ermordet, weil er English sprach“
Am 20. September jährt sich der grausame Mord an Luke Holland zum zehnten Mal. Ein junger Mensch, voller Zukunft und Licht, wurde von einem rechtsterroristischen Menschen aus purem Hass ausgelöscht. Was bleibt, ist eine schmerzende Leerstelle, die kein Wort füllen kann. Doch noch bitterer wird der Schmerz, weil das Gerichtsurteil damals, wie ein Schatten wirkte, der Gerechtigkeit versprach, aber kaum mehr als ein leiser Hauch war.
Viel zu milde und lächerlich für ein so finsteres Verbrechen. Auch hier wird gezeigt, wie ernst der Staat solche Verbrechen nimmt. Ein weiterer trauriger Beigeschmack, dass dieser Mord möglicherweise hätte verhindert werden können, wenn man den Mord an an Burak B. drei Jahre zuvor intensiver untersucht hätte!!

Lieber Mr. Holland, ich schreibe als Tochter von Theodorus Boulgarides, der selbst dem Terror des NSU zum Opfer fiel. Wir kennen den nie endenden Schmerz, das ständige Pochen von Wut und Trauer. Und als Mutter spüre ich, wie unvorstellbar es ist, den eigenen Sohn zu verlieren – ein Riss, der durch Herz und Leben geht und nie heilt. Meine Gedanken und meine Gebete sind bei Ihnen, bei Ihrer Familie, bei allen, die Luke vermissen.
Darum rufe ich euch alle auf: Kommt am 20.
September um 16.00 Uhr zur Kundgebung. Lasst uns gemeinsam Lukes Namen hochhalten, gegen rechten Terror aufstehen und zeigen, dass wir nicht schweigen, dass wir die laute Gerechtigkeit einfordern, die ihm und uns so lange verweigert wurde.
Kundgebung 16 Uhr, Luke Holland Gedenkort, Ringbahnstrasse/Walterstr. Berlin-Neukölln – Zeigt Euch solidarisch und unterstützt!

–English:

Mandy Boulgarides, daughter of Theodorus Boulgarides, one of the nine murder victims of the NSU complex: ‘Luke was murdered because he spoke English.’
20 September marks the tenth anniversary of Luke Holland’s brutal murder. A young person, full of promise and light, was wiped out by a right-wing terrorist out of pure hatred. What remains is a painful void that no words can fill. But the pain is made even more bitter by the fact that the court ruling at the time seemed like a shadow that promised justice, but was little more than a faint whisper.
Far too mild and ridiculous for such a sinister crime. Here, too, we see how seriously the state takes such crimes. Another sad aftertaste is that this murder could possibly have been prevented if the murder of Burak B. three years earlier had been investigated more thoroughly!

Dear Mr Holland, I am writing as the daughter of Theodorus Boulgarides, who himself fell victim to the terror of the NSU. We know the never-ending pain, the constant throbbing of anger and grief. And as a mother, I feel how unimaginable it is to lose your own son – a tear that runs through your heart and life and never heals. My thoughts and prayers are with you, your family, and all those who miss Luke.
That is why I call on all of you: Come to the rally on 20 at 4 p.m. Let us hold Luke’s name high together, stand up against right-wing terror and show that we will not remain silent, that we demand the loud justice that has been denied him and us for so long.

Grußworte der Familie Bektaş, 20. September 2025 (dt/türk/eng)

Es sind nun zehn Jahre her, dass Luke Holland von dem rechtsextremen Rassisten Rolf Zielezinski ermordet wurde.

Als Familie Bektaş hat uns die Erklärung von Luke Hollands Vater Philip Holland zum zehnten Jahrestag seiner Ermordung, sehr bewegt. Wir sind sehr gerührt. Unser Schmerz ist derselbe.

Wir danken Philip Holland so sehr für seine Sensibilität. Als Familie sind wir sehr berührt.

Die rassistische und rechtsextreme Menschenfeindlichkeit eines Einzelnen hat zwei Familien völlig zerstört.
Auch wir versuchen, weiterzumachen.
Nicht nur wir, sondern auch viele andere Familien leiden unter dem gleichen Schmerz.

Wir sind mit unserem Leid nicht allein. Die Tatsache, dass Menschen zusammenhalten, Solidarität zeigen und sich gegenseitig unterstützen, gibt uns Kraft.

Wir sprechen Philip Holland unser tiefstes Mitgefühl aus.
Wir wünschen Ihnen noch einmal alles Gute und viel Kraft!
Du bist nicht allein! Wir stehen dir zur Seite!
Wir werden Luke nicht vergessen! Wir werden weder Luke noch Burak vergessen.
Wir können unsere Lieben niemals vergessen.

–Türkisch:

Bektaş ailesi açıklaması 20.Eylül 2025:

On yıl oluyor Luke Holland sağcı-ırkçı Rolf Zielesinski tarafından katledileli.

Bektaş Ailesi olarak, Luke Holland’ın babası Philip Holland’ ın onuncu yıl anma  açıklaması, bizi çok etkiledi. Çok duygulandık. Acılarımız bir. Philip Holland’ın bu kadar duyarlı olmasına, çok çok teşekkür ediyoruz. Aile olarak çok etkilendik.

Bir kişinin ırkçı-sağcı insan düşmanlığı, iki aileyi tümdem yıktı.
Biz de ayakta durmaya çalışıyoruz.
Bir biz değil, daha kaç aile bu aynı acılarla yaşıyor.
Acılarımızla yalnız değiliz.
İnsanların birbirlerinin yanında olması, dayanışma göstermesi ve güzellikleri bizi ayakta tutuyor. 

Philip Holland’a en içten duygularla saygılarımızı sunuyoruz.
Tekrar Başın sağolsun diyoruz ve güçlü olmanı diliyoruz!
Yalnız değilsin! Dayanışmamız seninle!
Luke’u unutmayacağız! Ne Luke’ u, ne de Burak’ı unutmayacağız.
Sevdiklerimizi asla unutamayız.

–English:

Greetings from the Bektaş family, 20 September 2025:

It has now been ten years since Luke Holland was murdered by the right-wing extremist racist Rolf Zielezinski.

As the Bektaş family, we were deeply moved by the statement made by Luke Holland’s father, Philip Holland, on the tenth anniversary of his murder. We are very touched. Our pain is the same.

We are so grateful to Philip Holland for his sensitivity. As a family, we are deeply moved.

The racist and right-wing extremist hatred of one individual has completely destroyed two families.
We too are trying to move on.
It is not only us, but many other families who are suffering the same pain.

We are not alone in our suffering. The fact that people stick together, show solidarity and support each other gives us strength.

We express our deepest sympathy to Philip Holland.
We wish you all the best and much strength!
You are not alone! We stand by your side!
We will not forget Luke! We will not forget Luke or Burak.
We can never forget our loved ones.