In Gedenken an Ramazan Avcı – 40 Jahre

Liebe Familie Avcı,
liebe Ramazan-Avcı-Initiative,
liebe Freund*innen,
wir stehen heute hier im Namen der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş – an eurer Seite, in Solidarität und tiefem Respekt.
Vor 40 Jahren wurde Ramazan Avcı Opfer eines brutalen rassistischen Mordes. Vier Jahrzehnte später erinnern wir nicht nur an ihn, sondern auch an euren langen, schweren Weg. Einen Weg, den ihr mit Würde, Beharrlichkeit und Mut gegangen seid. Dass wir heute hier auf dem Ramazan-Avcı-Platz zusammenkommen, zeigt: Eure Arbeit des Erinnerns und des Widerstands wirkt. Sie gibt Kraft – auch uns – diesen Kampf nicht aufzugeben.
Der Mord an Ramazan Avcı geschah in einem gesellschaftlichen Klima, das von Rassismus geprägt war. Die Täter waren in rechtsextreme Strukturen eingebunden, und selbst die Ermittlungen waren von Nähe und Verflechtungen überschattet. Vieles ist längst bekannt, vieles wurde benannt – doch Konsequenzen blieben aus.
Spätestens mit dem Auffliegen des NSU im Jahr 2011 wurde deutlich, wie rechter Terror über Jahre hinweg möglich war: durch Wegsehen, Vertuschen und aktive Verstrickungen staatlicher Behörden. V-Leute wurden geschützt, Akten vernichtet, Verantwortung abgeschoben. Rassismus ist kein Randphänomen – er ist strukturell verankert: in Politik, Justiz, Polizei, Medien und in der Gesellschaft.
Der Mord an Ramazan Avcı fiel in eine Zeit rassistischer Wahlkämpfe und einer entmenschlichenden Asyl- und Migrationspolitik. Diese Politik wirkt bis heute fort – ob durch Abschottung, Hetze oder sogenannte „Stadtbilddebatten“. Die Kontinuität von Faschismus, Antisemitismus und Rassismus in Deutschland ist ungebrochen.
Wir erinnern an die vielen Opfer rechten Terrors:
an den Brandanschlag auf die Geflüchtetenunterkunft in der Halskestraße 1980,
an Shlomo Lewin und Frida Poeschke in Erlangen,
an Mehmet Kaymakçı in Hamburg,
an die ermordete Familie in Schwandorf,
an Mölln, Lübeck, Solingen, Hanau, Halle, München –
und an Süleyman Taşköprü, ermordet vom NSU hier in Hamburg.
Die Namen, die Orte, die Jahre – sie sind zu viele, um sie alle zu nennen. Doch sie zeigen: Rechter Terror ist kein Einzelfall. Er ist organisiert, vernetzt und politisch eingebettet – von der Wehrsportgruppe Hoffmann über den NSU bis zur AfD heute. Während Faschisten in Parlamenten sitzen, wird die Brandmauer eingerissen oder stillschweigend akzeptiert. Dem muss ein Ende gesetzt werden.
Nach dem Bekanntwerden des NSU haben wir uns bundesweit vernetzt – als Angehörige, Betroffene und Initiativen. Wir kämpfen gemeinsam gegen Rassismus, gegen Gewalt und gegen das Schweigen. Denn von den Verantwortlichen kommt zu oft nichts als Untätigkeit.
Eure Antwort auf all das sind 40 Jahre Widerstand und lebendiges Erinnern.
Unsere Antwort ist antifaschistische Solidarität.
Gemeinsam stehen wir für eine Gesellschaft, in der kein Platz ist für Rassismus, Ausgrenzung und Hass.
Danke.
Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş, Berlin